Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1908
- Date
- 1908-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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— 6 — „Dies ist neben vielen anderen der hauptsächlichste Grund, weshalb unsere Hochschule an der Seite der durch Weite des Umkreises der Disziplinen ausgezeichneten Universität zu Berlin errichtet wird. „Die Hochschule sorgt auch drittens überhaupt nicht ausschließlich für den Studenten der Theologie, auch die Studierenden der Medizin, der Jurisprudenz und der Philosophie, denen das Interesse für die Schätze und Schicksale des jüdischen Geistes nicht fehlt, sollen hier Gelegenheit finden, sich auf wissenschaftliche Weise darüber zu unterrichten. „Uns schwebt als ein nicht zu fernes Ideal vor, daß einerseits manche Vorlesungen an unserer Hochschule — ebenso wie die öffentlichen Vorlesungen an der Universität — auch von jüdischen Laien als eine Quelle der Heiehrung aufgesucht; andererseits auch nichtjüdische Studierende, welche für diesen speziellen Teil allgemeinen menschlichen Wissens ein Interesse haben, in denjenigen Zweigen, welche tatsächlich auf den Universitäten einer genügenden Beachtung entbehren, auf unserer Hochschule Belehrung suchen und finden werden. „Dann wird es, indem namentlich auch die literarische Tätigkeit auf ihr einen festen Bodeu gewinnt, der glückliche Erfolg dieser Hochschule sein, über den Inhalt des Judentums, sein Wesen, seine Leistungen und seine Geschichte unter Juden und Nichtjuden Licht zu verbreiten. Und wie sehr bedarf es dessen bei beiden! „Nicht um eine Abschließung also irgend einer Art, nach irgend einer Richtung handelt es sich, wenn wir eine eigene Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums errichten. Nur der Gegenstand, der hier betrieben wird, ist ein besonderer; nicht bloß bis jetzt tatsächlich ganz vernachlässigt, sondern wahrscheinlich noch lange (und vielleicht nach der natürlichen Abstufung der Interessen für immer) von den Universitäten in beschränktem Maße beachtet, erheischt er eine eigene Stätte, wo er mit dem innigsten Interesse gepflanzt und gepflegt wird. Deshalb würde auch die Errichtung eines oder zweier Lehrstühle für Wissenschaft des Judentums an einer Universität, wenn sie auf die eine oder andere Art hätte bewirkt werden können, nicht genügen. Ausgeschlossen aber ist für die Zukunft keineswegs, daß unsere Stiftung unmittelbar mit einer Staat-