Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 14.1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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— 29 — Wiederum müssen wir den Bericht über unsre Lehranstalt mit der Erfüllung einer traurigen Pflicht beginnen. Am 6. November 1895 ist unser Docent für die talmudischen Disciplinen, Herr Dr. Joel Müller, nach längerer Krankheit in seinem 69. Lebensjahre aus diesem Leben abberufen worden.. Er gehörte unserer Anstalt und deren Lehrercollegium 10 Jahre lang an und hat sich während dieses Dezenniums der stets wachsenden Liebe und Dankbarkeit seiner Schüler erfreut. Den Gefühlen dankbaren Andenkens hat Herr Dr. Maybaum an der Bahre des Verewigten Ausdruck gegeben. Indem wir seine Rede diesem Berichte beifügen, wollen wir Zeugniss ablegen, was Dr. Müller unserer Anstalt gewesen, wie er mit Eifer und Liebe bei Collegen und Hörern gewirkt hat. — Das Curatorium ist bemüht, für den Verstorbenen einen würdigen Nachfolger zu gewinnen. Aus dem in der x\nlage A enthaltenen Lectionsverzeichnisse ist ersichtlich, in welcher Weise für die talmudischen Disciplinen provisorisch Vorsorge getroffen wurde. Die ordentliche Generalversammlung für das Jahr 1895 hat am 28. April stattgefunden. Nach Erstattung des Jahresberichtes und Erteilung der Decharge sind in statutenmässiger Wahl für das Curatorium die nach dem Turnus ausscheidenden Mitglieder Prof. Dr. M. Lazarus, Commerzienrath C. B. Simon und Dr. Paul Meyer wiedergewählt worden. Herr Dr. M. Kirschstein, Dirigent der ersten Religionsschule der jüdischen Gemeinde, hat am 24. Tebeth 5656 (10. Januar 1896) seinen 70. Geburtstag gefeiert. Der Jubilar hat die Ehrengabe von 3520 Mk., welche ihm an diesem Tage von Freunden und Verehrern dargeboten worden, unserer Lehranstalt zur Begründung einer Preisstiftung für die Hörer der Anstalt gewidmet. Dank der Kirschsteinstiftung wird von jetzt ab die Preisbewerbung eine dauernde und regelmässige Einrichtung unserer Lehranstalt bilden. Nach Ertheüung der landesherrlichen Genehmigung zur Annahme der Stiftung werden wir Näheres mitteilen. Die Zahl der Hörer hat betragen: Im Sommersemester 1895: 29, und zwar 17 Deutsche und 12 Reichsausländer (10 aus Oesterreich-Ungarn, 2 aus dem russischen Reiche). Im Winter-Semester 1895/96: 31, und zwar 16 Deutsche, 15 Reichsausländer, (.12 aus Oesterreich-Ungarn, 2 aus dem russischen Reiche und 1 aus Amerika.) Sämmtliche Hörer, Inländer wie Ausländer, waren Maturi. Von den derzeitigen Hörem gehören der Lehranstalt an seit dem Jahre: 1888, 3 Hörer; 1889, 2 Hörer; 1890, 2 Hörer; 1891, 4 Hörer; 1892, 3 Hörer; 1893, 3 Hörer; 1894, 9 Hörer; 1895, 5 Hörer. . Ausserdem wird die Anstalt von 7 Hospitanten (Reichsausländern) besucht. In diesem Jahre hat an unserer Anstalt der Hörer Herr Dr. Samuel Poznanski die Rabbinatsprüfung abgelegt. Von den Hörern der Lehranstalt sind noch vor Ablegung des Rabbinatsexamens berufen worden: Herr Dr. M. Dienstfertig als Prediger und Religionslehrer vom Au erb achschen Waisenhause, hier, Herr, Dr. L. Hannes von der Synagogengemeinde Spandau, Herr Dr. H. Vogelstein von der Synagogengemeinde Oppeln, Herr Dr. P. R i e g e r von der Synagogengemeinde Potsdam und Herr Dr. A. Morgenstern von der Culrasgemeinde Jamnitz in Mähren. 7