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KC-Blätter · 1930-12-01 · Heft 10 (Dezember 1930) · p. Seite 163

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 10 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 163 (sequence 7)
Language
German
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Nachr.-Left K. C.-Blätter 163 Ihr Lieblingsbuch. Folgende bezeichnende Notiz entnehmen wir der „Wiener Arbeiterzeitung": „An der Universität Erlangen treiben die Hakenkreuzler ihr Unwesen. Drei Viertel der Erlanger Studenten haben bei ^,en letzten Studentenwahlen nationalsozialistisch gewählt. Ueber die politische Reife dieser Studenten hat die Universität selbst der staunenden Mitwelt eine kennzeichnende Nachweisung gegeben: Die Universitätsbibliothek hat eine Statistik veröffentlicht, aus der man sieht, welche Bücher von den Studenten am häufigsten entliehen worden sind. Und siehe da, den Rekord schlug nicht etwa Hitlers Selbstbiographie oder irgendein anderer hakenkreuzlerischer Wegweiser ins „Dritte Reich", sondern der gute alte bekannte Karl May. 343mal wurde im letzten Sommersemester von den Erlanger Studenten „Old Shatterhand" von Karl May in der Universitätsbibliothek verlangt. Das ist die geistige Nahrung, aus der der Erfolg der Nationalsozialisten erwächst! Für die tzakenkreuzstudenten ist Hitler nichts anderes als ein ins Deutsche übersetzter „Old Shatterhand". Ihre Methoden sind auch danach! Schlaglichtartig zeigt sich hier der ganze Infantilismus der nationalsozialistischen Bewegung. Es ist beschämend, daß sich als „Führer der Nation" eine Sorte von Leuten aufspielt, deren innigster Wunschtraum es sein muß, aus Deutschland ein Indianerparadies zu machen. Will er noch lernen? Jüngst hielt der antisemitische Rassetheoretiker Günther, der gegen den Wellen des Lehrkörpers der Universität Jena vom Unterrichtsminister Frick zum Professor an dieser Universität ernannt worden war, seine Antrittsvorlesung über Zusammensetzung und Entwicklung der in Deutschland vertretenen Rassen. Die Aula der Universität war von tzakenkreuzstudenteu und Hakenkreuzgästen dicht, besetzt. Unmittelbar vor Günther waren Frick und Hitler im Saal erschienen, sie wurden mit lauten Heilrufen empfangen. Man glaube nur nicht» daß der' große Adolf sich in seinen eigenen Lehren noch vervollkommnen wollte, was ihm zwar nottäte, bei Herrn Professor Günther aber schwerlich gelingen könnte. Der erlauchte Führer kam nur, weil das ganze Kolleg des Herrn Günther keine Lernstunde ist, sondern einfach eine hohle nationalsozialistische Demonstration und Provokation. Konferenz zur Bekämpfung des studentischen Antisemitismus. (J.T. A.) Das internationale Studentenhilfskomitee hat die zweite Konferenz zur Bekämpfung des studentischen Antisemitismus für April 1931 nach Niort in der Schweiz einberufen. Die erste Konferenz zur Bekämpfung . des studentischen Antisemitismus wurde unter dem Vorsitz von Professor Oualid von der Sorbonne in Bierville bei Paris i. I. 1928 abgehalten. Diese Konferenz hat Herrn James Parkes beauftragt, eine Untersuchung über die Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung Osteuropas anzustellen. Zu diesem Zwecke hat Parkes Polen, Rumänien, Oesterreich und andere Länder bereist und wird über die Ergebnisse dieser Studienreise der Konferenz in Niort Bericht erstatten. Mitglieder des Ehrenkomitees der Konferenz sind u. a. der ehemalige französische Ministerpräsident Paul Painleve, der Präsident der Tschechoslowakischen Republik Professor Masarhk, Viscount Cecil of Chelwood, Professor Albert Einstein, Rabin» dranath Tagore, der japanische Botschafter in Paris M. Adatci, eines der hervorragendsten Mitglieder des Völkerbundsrates, und der Präsident des Hilfsvereins der deutschen Juden, James Simon. Eröffnung der „Schule des Friedens" in Berlin. Am 23. November fand in der Synagoge Prinzregentenstraße zu Berlin die Eröffnungsfeier der von der „Iungjüdischen Friedensgemeinschaft" begründeten „Schule des Friedens" (Hillel-Schule) statt. Dr. Joachim Schendel begrüßte die erschienenen Vertreter jüdischer und nichtjüdischer

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