KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 9 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 156 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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156 K. C.-Blätter Nachr.-Left „Od. Die Entdeckung des magischen Menschen". Roman von Karl Hans Strobl. (Verlag L. Staackmann, Leipzig 1930.) Ein fast Vergessener, erst als Genie Gepriesener, dann als Narr oder Betrüger Verspotteter und Befehdeter, das ist der Held des Romans, dessen Schicksal uns Strobl mit gewohnter Lebendigkeit und Kraft der Darstellung schildert. 1788 in Stuttgart geboren, ein hervorragender Mineraloge und Chemiker, Entdecker des Paraffins und Kreosots, durch eigene rastlose Arbeit Millionär, in den österreichischen Freiherrnstand erhoben, stellte Karl Reichenbach in den fünfziger Jahren jene Theorie auf, die er nach einer Sanskritwurzel „Od" nannte. Man verstand ihn nicht. Einsam und verdüstert starb er 1869 in Leipzig. Ein Menschenalter später, bei der Entdeckung der Röntgenstrahlen, entsann man sich seiner, und heute sieht man in dem Verstorbenen nicht mehr den Narren von^früher. So ist es zu begrüßen, daß Strobls Roman ein Anrecht gut macht, das die Mitwelt an einem genialen Menschen beging, der nur das Unglück hatte, seiner Zeit allzu weit voraus zu sein. — Auch historisch ist der Roman wieder ein Prachtstück, ein farbenreiches Bild des alten Wien Mitte des vorigen Jahrhunderts. Dr. Kurt Schmidt. Pathologie des Rassenantisemitismus. Bon Erich Kuttner, mit einem Vorwort von Ministerialrat Dr. Beyer. Philo-Verlaq, Berlin 1930. 32 S. Preis 0,50 RM. br. Der Verfasser, Mitglied des Preußischen Larrdtags, versucht in der vorliegenden kleinen Schrift die psychologischen Untergründe des antisemitischen Rassenfanatismus — und damit des Rassenfanatismus überhaupt — aufzudecken. Er findet die Wurzel der vornehmlich in Deutschland der Nachkriegszeit beheimateten Erscheinung, dabei der Individualpsychologie Alfred Adlers folgend, in der den Neurotiker kennzeichnenden Spannung zwischen Minderwertigkeitsgefühl und Geltungsst r e b e n. Indem der Verfasser die Ideologie und die Betätigung der Rasscnantisenüten analysiert, entdeckt er eine Neurose, deren Einzelzüge sich zwanglos, mit wissenschaftlicher Folgerichtigkeit der Grundauffassung einfügen. — Die Darstellung ist temperamentvoll, von unerbittlicher Konsequenz, aber frei von verletzender Schärfe und infolge der ständigen Bezugnahme auf Tatsachen aus der rassenantisemitischen Praxis als objektive Betrachtung einer der hervorstechendsten ZeiterscheinunHen anzusprechen. — Diese Erscheinung als eine Gefahr nachzuweisen, bemüht sich Dr. med. Beyer im Vorwort. Das neue Heft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums wird vor allem den Freund der Bibel und der jüdischen K u n stf o r s ch u n g interessieren. Kaminka setzt seinen Bericht über Neuerscheinungen zum Verständnis der Hagio« graphen fort, mit besonderer Ausführlichkeit werden Kommentare zu Hiob behandelt. Dabei tritt hervor, daß die neuere Kritik mehr und mehr von der Neigung zu möglichst spätem Ansatz der biblischen Bücher abkommt, und daß vielfach auch eine höhere Bewertung des masoretischen Textes Platz greift. Wertvolle Beiträge zur Erklärung des Buches Jesaja steuert Martin Buber bei; sie sind aus der gemeinsamen Arbeit mit dem unvergeßlichen Franz Rosenzweig an der. neuen Bibelübersetzung hervorgegangen. Sehr lehrreich ist der Aufsatz von Rahel Wischnitzer- Bernstein über die Illustrationen zum Buch Esther, der die verschiedenen Typen der künstlerischen Behandlung dieses Buches scharf herausarbeitet und sie sowohl kunstgeschichtlich wie religionsgeschichtlich zu beleuchten weiß. Auch unter den übrigen Arbeiten des besonders reichhaltigen Heftes sind manche für einen weiteren Kreis lesbar geschrieben; so I. Heinemanns Nachweis, daß die alexandrinischen Juden im Gegensatz zu ihren Zeitgenossen in Palästina eine besondere Profangerichtsbarkeit nicht besaßen, und Matthias Mieses' Aufdeckung der jüdischen Vorlage der Johannes-Apokalypse. Man abonniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von 10 RM. an diese Gesellschaft (Postscheckkonto Paul Veit Simon, Berlin 7030) oder an einen der Vertrauensmänner sendet, welche in jedem Heft der Monatsschrift aufgezählt sind. Dieser Nummer liegt ein Prospekt der Firma Dr. Eicken & Co., Köln a. Rh., bei. Verantwortlicher Redakteur: Ne fr Rudolf Jo. Leimansohn, Berlin. — Verlag: Philo-Verlag, ' -- «*.**-*.CA»*«» ÄOttßR.