KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 7 (August 1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 123 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2268830-2268973-2268982--3718-2272816- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nachr.-Lest K. C.-Blätter 123 Bückisr- und Blätterfcfiau Affäre Drehfus. Der seltene, wohl seit Friedensschluß einzigartige Fall, daß das Buch eines Deutschen über eine wichtige französische Staatsangelegenheit von einem angesehenen französischen Verlag angekauft und ins Französische übersetzt wird, ist jetzt eingetreten. Die Librairie Gallimard in Daris (Verlag der „Nouvelle Revue Fran?aise") hat das im Verlag von vr.Walther Rothschild, Berlin-Grunewald, erschienene Buch des Berliner Rechtsanwalts vr, Bruno Weil: „Der Prozeß des Lauptmanns Drehfus",das im In-und Ausland das größte Aufsehen erregt hat, weil es zum ersten Male die Drehfus-Affäre von der deutschen Seite aus im Zusammenhang gesehen dargestellt hat, für Frankreich angekauft und wird es in diesen Tagen in französischer Sprache erscheinen laffen. Verhandlungen über die Aebertragung ins Englische, Lolländische, Ungarische, Polnische, Tschechische schweben noch. Was nicht im Hochschulführer steht. Der Heinrich Wilhelm Hendriock- Verlag, Berlin-Charlottenburg, plant die Herausgabe eines Buches „Was nicht im Hochschulführer steht" und sucht Studenten zur Mitarbeit, die das akademische Leben einer Stadt gründlich kennen. Die Besonderheiten aller deutschen Hochschulen sollen in der durch den Titel angedeuteteu Richtung hervorgehoben werden. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit soll jeder Beitrag in einem Querschnitt durch das akademische Leben die Mentalität einer Hochschulstadt plakatieren, amüsant und lesbar geschrieben sein. Jede literarische Form ist erlaubt. Honorare werden gezahlt. Anfragen und Einsendungen sind zu richten an den Herausgeber: Carl Chr. Bock, Berlin-Charlottenburg, Hardenbergstr. 24, Gth. Die Gesellschaft für jüdische Familienforschung versendet soeben ihr Juni-Heft, in dem der frühere Posener Stadtrat und bekannte Lokalhistoriker der Provinz Posen Arthur Kront h a l - Berlin unter dem Titel: „Aus einem jüdischen Leben des vorigen Jahrhunderts" eine Biographie seines Großvaters schreibt, die in ihrer Aussührlichkeit und Verknüpfung mit nahezu allen jüdischen und nichtjüdischen Prominenten der Stadt Posen zu einem fesselnden Kulturbilde dieses national heiß umstrittenen Bodens sich gestaltet. Alle früheren Posener dürsten diese Studie mit lebhaftem Interesse und innerer Teilnahme lesen. — Bruno Jacob- Kassel, gibt einen Beitrag über zwei Rittergeschlechter in Hessen aus dem 14. Jahrhundert, die die Namen Jude resp. Iudemann führen und beweisen, daß trotz der rechtlosen Stellung der ungetauften deutschen Juden im Mittelalter ihrer Aufnahme in den deutschen Adel keinerlei Hindernis bereitet wurde, sobald sie nur die Taufe genommen hatten. — Dann gibt Otto N e u m a n n - Berlin, der unermüdliche Erforscher der Geschichte mecklenburgischer Juden, eine Biographie von Aron Isak, der als vierzehnjähriger Junge seine Heimat Treuenbrietzen bei Berlin verläßt, um mit nichts als einem Grabstichel in der Hand sich sein Brot zu verdienen. Cr schneidet Petschafte, graviert Zinkkannen, erringt in Mecklenburg die Gunst von Fürsten und Adel, schließlich des Königs von Schweden, und stirbt als angesehener schwedischer Hofjuwelier und Hofsiegelstecher in Stockholm. — Arturo Bab - Rivera, dem die jüdische Familienforschung schon eine Reihe von Beiträgen über Juden in Süd-Amerika und Indien dankt, gibt eine Zusammenstellung von Namen der Kreolischen Juden, d. h. derjenigen Juden, die in Süd- und Mittelamerika, Mexiko und den Antillen geboren find. Ihre Umgangssprache ist meist spanisch, in Brasilien portugiesisch und in einigen Kolonien englisch und holländisch. Die Vorfahren dieser Juden stammen fast ausnahmslos aus Spanien, Portugal und Italien. Seit dem 17. Jahrhundert sind Juden drüben nachweislich, aber erst um 1830 wurde ihnen überall die bürgerliche Gleichberechtigung zuteil. Ein diesmal außerordentlich reichhaltiges Suchblatt schließt das Heft ab. — Man abonniert die Zeitschrift durch Erwerb der Mitgliedschaft der Gesellschaft für jüdische Familienforschung. Der Jahresbeitrag beträgt 10,— RM Anmeldungen an den Vorsitzenden Dr A. Czellitzer, Berlin W. 9, Potsdamer Straße 5.