KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 3 (April 1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 62 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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62 K. C.-Blätter Nachr.-Left Lücksr- und Blätterfdiau Die Justiz (Verlag Dr. Walther Rothschild, Berlin-Grunewald), März 1930. Thomas Mann an der Spitze dieses Heftes spricht mit souveräner Geistigkeit für das von Präsident Finkelnburg verfaßte Schauspiel „Amnestie", das gegenwärtig über deutsche und ausländische Bühnen geht und tiefe kriminalpolitisch sozialogische Wirkung ausübt, indem es weit über die Fachkreise des Rechts und der Verwaltung hinaus in der gesamten Öffentlichkeit das Verständnis für die Aufgabe der Erneuerung und Veredelung des Strafvollzuges wachruft. Thomas Mann führt auch den Nachweis, daß dieses Finkelnburgsche Schauspiel neben und in seiner ausgezeichneten Lehrhaftigkeit eine echte künstlerische Dichtung ist. Ein programmatischer Aufsatz des Verfassers selbst, Dr. Karl Finkelnburg (Präsident des Strafvollzugsamtes Berlin-Brandenburg, und' Gelegenheitsdichter im besten Sinne) schließt sich an. Es folgt von dem Ministerialdirigenten im preußischen Justizministerium, Dr. S. Rosenfeld, Mitglied des Landtages, eine auf die wesentlichen Probleme des Gnadenwesens, des Strafvollzuges und der Entlassenenfürsorge gerichtete Würdigung der „Amnestie". Roch in weiteren drei Aufsätzen wird ebenfalls das Finkelburgsche Werk behandelt: von Strafanstaltsdirektor Kleist, Celle, mit dem geschärfsten psychologischen und pädagogischen Blick eines neuzeitlichen leitenden Beamten im Strafvollzüge; von Ernst Toller und Felix Fechenbach unter plastischer Wiedergabe der Erfahrungen, die sie persönlich an Leib und Seele als politisch Verfolgte und Inhaftierte im bayerischen Strafvollzüge gesammelt haben. Ein ungewöhnlich nachhaltiger Eindruck ist es, der von diesen sechs Abhandlungen um Karl Maria Finkelnburg und sein Werk ausgeht. Sowohl der Gegenstand wie der Inhalt der Abhandlungen ist ein Beweis für die Verbundenheit von Poesie und Praxis auf dem Gebiet einer unverschwommenen Humanität im Recht. Dichter und Richter, richtende Personen in weitester Bedeutung, gehören zusammen. Die ständige Rubrik „Praxis des Rechts" enthält Beiträge von Dr. Heinrich Kronstein, Rechtsanwalt in Mannheim, zur Reichsbanknovelle, sowie von Ministerialrat Joachim, Berlin, über die justizpolitische Bedeutung des Arbeitsgerichtsgesetzes im Lichte der Praxis. Den Schluß des Heftes bildet ein Nachruf auf den glänzenden Straf« prozeßanwalt und Parlamentarier Dr. Paul Levi, geschrieben von Dr. Kurt Rosenfeld, Mitglied des Reichstags, als Freund und politischen Mitstreiter. Ein Buch von Kbr. Weil (Lie.) zum Dretzfuspeozeß. Die Überwachung der Deutschen Botschaft in Paris durch die französischen Geheimagenten, die Anstellung einer Reinemachefrau durch den französischen Nachrichtendienst in die Dienste des deutschen Botschafters, die Abhörvorrichtungen im Eßzimmer der Attaches, alle die geheimnisvollen Hintergründe der Spionage und Gegenspionage, die den Fall Dreyfuß seinerzeit in den Mittelpunkt europäischer Erörterungen gerückt haben, werden durch das in aller Kürze im Verlage Dr. Walther Rothschild (Fr.-Gh), Berlin-Grunewald, erscheinende reich bebilderte Buch von Dr. Bruno Weil (Lie.) über deu „Prozeß desLauptmannsDreyfus" dem deutschen Leserkreis vorgeführt. Es handelt sich in diesem Kriminalprozeß um die Rehabilitation eines unschuldig Verurteilten, um die Frage nach der Wiederaufnahmemöglichkeit gegen rechtskräftige Arteile, Fragen, die auch im Deutschland der Nachkriegszeit durch die Fälle Nogens- Iaeubowskr, Bullerjahn, Dielingen und viele andere im Vordergrund des Interesses stehen. In keinem Falle während der letzten Jahrhunderte haben diese Fragen zu erbitterterem Kampfe weit über die Grenzen des davon betroffenen Landes geführt, als in dem Falle des französtschenÄauptmanns Dreyfus. Das Buch von Weil verwertet zum ersten Male auch die Akten des Auswärtigen Amtes sowie den sensationellen, jetzt aus Tageslicht gekommene Briefwechsel