KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 94 (sequence 4)
- Language
- German
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04 Wen. Kam» einen größeren Ort gibt es in unseren, Vaterlande, an dem nicht K. Cerwohnten und für die Ideen ihres Verbandes wirkten. / Die Größe der Organisation hat eS notwendig gemacht, daß in Berlin ein besonderes K. C.-Büro errichtet wurde, und seit dem 1. Oktober 1910 sorgt das V e rb a n d sorg a n, die K. C. - Bl älter, für die Vertiefung der geistigen Fragen unseres Jntereffenkreises und den engen Zusammenhang zwischen den Kartellbrüdern. Das alles haben die Jahre gebracht. Aus dem kleinen Anfänge ist ein großes, festes Werk geworden. Wehmut mischt sich freilich in die stolze Freude. So manchen der Besten, die in unseren Reihen kämpften, deckt die kühle Erde. Der Erstchargierte des Gründungssemesters, Julius Krüger, starb bereits vor neunzehn Jahren, und einhundertundzwei Kartellbrüder — unter ihnen der Mitbegründer Lermann Lindner — haben in opferwilliger Erfüllung ihrer Pflicht, getreu den Grundsätzen des Verbandes, ihr Leben für ihr deutsches Vaterland dahingegeben. Ihrer gedenken wir am Tage der Festesfeier mit Dank imLerzen für alles, was sie uns gaben, mit dem feierlichen Gelöbnis ihren Geist, den Geist hingebender Treue und Tapferkeit, in unseren Seelen lebendig zu erhalten. Deutsche Studenten jüdischen Glaubens wollten die Gründer der alten Viadrina sein. Mit deutschem Kulturbewußtsein, deutschem Geiste und Liebe zur deutschen Leimat verbanden sie den Stolz auf ihre Abstammung, auf den Glauben der Väter. And mannhaft traten sie mit ihrer ganzen Persönlichkeit für ihr Ideal ein, fochten unermüdlich mit Arm und Geist gegen feiges Anrecht, gegen beschränkte Anduldsamkeil, gegen rohe Gewalt, unbeirrt im Bewußtsein des rechten Weges. Seit dem Jahre 1886 haben geistige Strömungen, von denen man damals nichts ahnte, das Judentum aufgewühlt. Geschichtliche Ereignisse von atembeklemmender, gigantischer Furchtbarkeit haben unser unglückliches Vaterland aus stolzer Löhe herabgefiürzt. Der Grundgedanke deS K. C. hatte sich gegen höhnische Kritik aus den Reihen des Judentums zu verteidigen, und unter der Wucht deS anstürmenden gemeinen Lasses der Welt schien sein Optimismus zu einem kläglichen Ende verurteilt zu sein. Immer wieder und immer wieder mußte nachgeprüft und untersucht werden, ob die alte Idee noch tauge. Leute am Tage deS Festes, ob es auch mitten im furchtbarsten Kampfe gefeiert wird, sei aber freudig bekannt, daß die alten Viadrinen den rechten, den einzig möglichen Weg erwählt haben. Jeder andere führt ins Verderben, zur Resignation, zur Ruhelosigkeit innerer seelischer Entfremdung. Ein Menschenalter ist vergangen, seit das wuchtige Programm der alten Viadrina ins Land hinausklang und in der Seele jedes echten stolzen Juden verwandte Saiten zum Erklingen brachte. Was damals intuitives Schauen, jugendftohes Lossen war, ist heute festgegründete Äberzeugung. Treu steht der K. C. zum alten Ideal. „Deutsche Studenten jüdischen Glaubens" will er erziehen! Anbeirrt schwört der K. C, in unseren Tagen, mögen sie auch anderen Sttömungen Recht zu geben scheinen, auf die alte Losung. And die Einheit der Gesinnung und der Tendenz, die jung und alt umschlingt, sei glückverheißendes Symbol für die feste Einheit in allen untergeordneten Fragen der Taktik. Der KE. ist heute eine Macht im jüdischen Leben Deutschlands. Sein eigentliches Arbeitsgebiet muß und soll aber der akademische Boden sein! AuS dem Rückblick auf ruhmvolle Vergangenheit gewinne er den ftohen Mut, das Bewußtsein der Sicherheit und die auf Einigkeit sich gründende Kraft, auf daß er auch als studentischer Verband zu achtunggebietender Macht werde. Das alte Viadrinenpanier sei Ansporn und weise daS Ziel: Nemo me impune lacessit! F. ©. □ □ □