Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- Mitteilungen des Pflanzungsvereins "Palästina"
- Date
- 1906-12-01
- Page
- 377 (sequence 1)
- Language
- German
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Anhang. MITTEILUNGEN DES PFLANZUNGS¬ VEREINS „PALAESTINA". Auf vielfache Anfragen wird vom Pflanzungsverein „Palästina" Folgendes mitgeteilt: Der Verein verfolgt lediglich gemeinnützige Zwecke: 1. Vor allem ist er bestrebt, durch Förderung von Gartenkultur, das heisst durch Pflanzung von stets Absatz findenden Oliven, Mandeln, Trauben, Rosinen, Feigen, Pfirsichen, Aprikosen, Orangen, Ethrogim, Zitronen usw. in Palästina, das sich hierfür wie wenige Länder auf der Erde eignet,1) der armen palästinensischen Bevölkerung sowie den neu einwandernden jungen und arbeitsfreudigen Elementen die Möglichkeit zu einem gesunden und ehrlichen Lebensunterhalt zu verschaffen. Palästina auser den Nebenländern kann laut fachmännischer Feststellung durch Gartenkultur allein mindestens eine Million Menschen ernähren. Laut Berechnung der Palästina-Kommission genügen schon 25 Mitglieder des Vereins, um eine dort lebende Arbeiterfamilie bodenständig zu machen, während 50 Mitglieder einer neu zugewanderten Familie den Lebensunterhalt ermöglichen: es würde also, wie die landwirtschaftliche Praxis uns lehrt, der Lohn *) Wie schnell die Kultur von Baumpflanzungen seitens der jüdischen Bevölkerung ic Palästina zunimmt, geht daraus hervor, dass beispielsweise die jüdischen Kolonien jetzt schon ca. 4000 Dunam Orangen (im Werte von 5 Millionen Fr es.) und 5000 Dunam Mandeln angelegt haben. Der Reingewinn selbst minderwertiger Orangengärten betrug im vorigen Jahre 15°/0, derjenige der Mandelgärten 8°/0; die gleichfalls in grossen Mengen angelegten Olivenkulturen sind vorläufig noch zu jung, um Erträge zu bringen, jedoch rentieren sich die älteren in arabischem Besitz befindlichen arabischen Pflanzungen ausgezeichnet; als Beweis hierfür inag dienen, dass ein deutscher Kolonist bei Haifa, der kürzlich einen solchen Olivengarten erworben hat, hierfür von den arabischen Pächtern pro Baum 1 Medschidi 4,25 Frcs. als jährlichen Pachtpreis erhält (gewöhnlich iechnet man" 10 Olivenbäume pro Dunam). Ungeachtet der grossen Ausdehnung, die die Gartenkultur in Palästina voraussichtlich erreichen wird, ist eine Ueberproduktion nicht im mindesten zu befürchten, weil die für Palästina in Betracht kommenden Früchte grösstenteils nur in einer beschränkten Anzahl von Ländern gedeihen, ausserdem aber das Absatzgebiet für dieselben durch die wachsende Bevölkerung Mitteleuropas und infolge der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse beständig sich ausdehnt.