Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- Türkischer Bergbau [Nachricht]
- Date
- 1906-12-01
- Page
- Seite 364 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2266000-2266027-2266038--2138-2268762- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 364 — Die sattsam bekannten Verhältnisse, die die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung in der Türkei hemmen, sind auch dafür verantwortlich, dass die natürlichen Reichtümer des Landes brach liegen. Am meisten wurde jeder Fortschritt auf diesem Gebiete durch das überaus verwickelte Grundrecht und die Berggesetzgebung erschwert, die schon den türkischen Untertanen grosse Schwierigkeiten bereiten, ausländische Unternehmungen in vielen Fällen aber geradezu unmöglich machen. Die Berggesetzgebung ist auf Betreiben der Mächte, namentlich Englands, vor einigen Monaten abgeändert worden, ist aber noch immer weit davon entfernt, berechtigten Anforderungen zu genügen. Wie die Deutsche Studiengesellschaft sich mit diesem Uebelstande abzufinden gedenkt, ist noch nicht bekannt. Aber noch eine ganze Reihe anderer beträchtlicher Schwierigkeiten wird die Gesellschaft zu überwinden haben, ehe sie ihre ersten Gewinne einstreichen wird. Da ist vor allem das der unausgesetzten Angst des Sultans um sein Leben entsprungene, sehr streng gehandhabte Einfuhrverbot von elektrischen Maschinen, wie sie für die moderne Bergbautechnik unentbehrlich sind, und ebenso der sehr umständliche und erschwerte Bezug von Sprengstoffen, von denen eine ganze Anzahl überhaupt nicht eingeführt werden dürfen. Was die ersteren betrifft, so deuten gewisse Zeichen allerdings darauf hin, dass seit einiger Zeit der Gebrauch der Elektrizität in der Türkei in einzelnen Fällen gestattet werden soll; ob dies aber auch zur Aufhebung oder wenigstens Milderung des Einfuhrverbots von Dynamos usw. führen wird, ist zweifelhaft. Und was die Einfuhr von Sprengstoffen betrifft, so hat sich die Absperrungspraxis der türkischen Behörden seit dem Yildiz-Attentat auf den Sultan erheblich verschärft. Man denke nur an den „ Odysseus " -Zwischenfall. Auf weitere erhebliche Hindernisse, die sich den privaten Bergwerks-Unternehmungen in der Türkei entgegenstellen, weist ein Bericht des Handelsattaches des deutschen Generalkonsulats in Konstantinopel, Herrn Jung, hin. Dazu gehören namentlich die ungebührlich hohen Abgaben, die die erwähnten Unternehmungen an die türkische Regierung zu zahlen haben. Herr Jung erwähnt in seinem Bericht auch der Schwierigkeit, die sich für private Minenbetriebe in der Türkei aus den Arbeitsverhältnissen ergibt. Da nämlich ausländische Arbeiter nur für Kunstbauten herangezogen werden dürfen, sind alle Unternehmer auf die heimische Bevölkerung angewiesen. Diese, überhaupt spärlich, gibt in vielen Gebieten ihre landwirtschaftliche Beschäftigung nicht auf, sondern arbeitet abwechselnd einige Tage in der Grube, einige Tage in ihrer Wirtschaft; selbstverständlich verringert sich die Zahl der Arbeitstage in den Gruben zu den Zeiten, wo es in der Landwirtschaft viel Arbeit gibt. Dass auf diese Weise der reguläre Betrieb in den Bergwerken usw. ganz bedeutend leiden muss, liegt auf der Hand. Es ist, wie schon gesagt, noch nicht klar, wie die Studiengesellschaft es anstellen wird, um alle diese Uebelstände zu überwinden. Dass der starke politische Einfluss Deutschlands in der Türkei ihr behilflich sein wird, einige der schlimmsten Hemmnisse aus dem Wege zu räumen, darf als sicher gelten. Was sonst zu einem vollen Erfolge erforderlich ist: Kapital, technisches Können, Erfahrung, zielbewusstes Arbeiten, bringt die deutsche Gesellschaft in hinreichendem Masse mit. Elektrische Beleuchtung in Konstantinopel. Mehrere ausländische Unternehmer machen zurzeit grosse Anstrengungenr um eine Konzession für die Einführung der elektrischen Beleuchtung in Kon-