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Altneuland · 1906-12-01 · Heft 12 (Dezember 1906) · p. Seite 363

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Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 12 (Dezember 1906)
Article
Der Fortschritt der Türkei : (die türkischen Finanzen im Jahre 1905/06) [Nachricht]
Date
1906-12-01
Page
Seite 363 (sequence 2)
Language
German
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— 363 — einen weiteren Betrag von 1 127 244 £ und die Eisenbahn-Garantien ausserdem 730 000 £. Aus den ursprünglichen Ueberweisungen fielen der Kasse in 1905/06 3 221 528 £ zu, aber von Jahr zu Jahr werden ihr neue Schuldverwaltungen übertragen, welche sich in 1905/06 auf 2 294 664 £ stellen. Im ganzen hat also die Schuldenkasse im vorigen Jahre 5 516 192 £ einkassiert, und da die Gesamteinkünfte des türkischen Reichs 23 000 000 £ umfassen dürften, so stehen davon 24% unter Verwaltung der Kasse. Ueber die wirtschaftliche Entwickelung der Türkei enthält der Bericht sehr interessante Auslassungen. Die stetig sich vollziehende Besserung sei hauptsächlich dem Bau von Eisenbahnen zuzuschreiben. „Wo Eisenbahnen im Reiche gebaut wurden, haben sie vermehrte Zivilisation, Ruhe, bessere Verwaltung und vermehrte Produktion wie erhöhten Wohlstand gebracht. Die Bevölkerung wurde ermutigt, ihren Feldern verstärkte Aufmerksamkeit zuzuwenden, während sie früher wegen Mangels an Transportmitteln einen grossen Teil des Ertrags verfaulen sah. Wo früher Nomaden-Zelte waren, sind jetzt Dörfer entstanden und aus den Dörfern Städte geworden." Vor 30 Jahren existierten in der Türkei nur 1230 km Eisenbahnen, jetzt sind 5475 km vorhanden und einschliesslich der Bagdad-Bahn Weitere 2976 km geplant. Der Bericht beschäftigt sich auch noch mit den beträchtlichen Goldeinfuhren der letzten beiden Jahre durch die Ottoman-Bank, die in 1905 1 976 689 £, in 1906 bis zum 16. Oktober 2 763 554 £ umfassten, kann aber über den Zweck derselben keine durchschlagende Antwort geben. Der Türke, so äussert sich Herr Block, investiert in der Regel weder sein Geld, noch legt er es bei Banken nieder. Entweder kauft er dafür Land, oder er tut es in seinen Geldschrank. Es habe den Anschein, dass infolge mehrjähriger guter Ernten der Bauer imstande gewesen sei, etwas Geld zu sparen. Die reichen Klassen in der Hauptstadt und in den grossen Städten aber speichern Gold auf für etwaige schlechte Zeiten. Türkischer Bergbau. Ueber diesen aktuellen Gegenstand erhalten die „Hamburger Nachrichtenu von ihrem Konstantinopeler Berichterstatter folgende Mitteilungen: Der deutsche Unternehmungsgeist schickt sich an, auf türkischem Boden sich neue Gebiete zu erobern. Wie ich Ihnen vor einiger Zeit mitteilte, haben deutsche Bergwerksgesellschaften sich zur Gründung einer „Deutschen Studiengesellschaft zur Vorbereitung bergbaulicher Unternehmungen im Orient" zusammengetan und mit den einleitenden Arbeiten bereits begonnen. Wie die Dinge liegen, ist ihnen nach Ueberwindung gewisser Schwierigkeiten ein grossei Ertrag sicher. Der Reichtum der Türkei, namentlich Anatoliens, an mineralischen Schätzen ist sehr bedeutend. Die Erzlagerstätten befinden sich — ein überaus günstiger Umstand — zumeist in geringer Entfernung voneinander und vielfach in der Nähe des Meeres oder schiffbarer Flüsse; an vielen Stellen findet man Kohlenlager in der Nähe von Erzgruben. In der Türkei befinden sich nach offiziellen Angaben ungefähr 250 offene Erzgruben, von welchen etwa 190 in Asien liegen. Der grösste Teil des Erzes wurde früher bearbeitet, aber schon seit geraumer Zeit sind weitaus die meisten Gruben wegen Mangels an Kapital und rationeller Ausbeutung verlassen. Man kann sagen, dass die mineralischen Schätze der Türkei so gut wie unbehoben sind.

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