Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- Der "Jüdische Kolonisationsverein" in Wien [Nachricht]
- Date
- 1906-12-01
- Page
- Seite 358 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 358 - Der Jahresbeitrag für ordentliche Mitglieder beträgt mindestens 5 K., ein immerwährendes Mitglied entrichtet einen einmaligen Beitrag von nrindestens 250 K. und ein Stifter-mindestens 2000 K. Nähere Auskunft erteilt auf Wunsch das Sekretariat des Jüdischen Kolonisationsvereins in Wien, II/3, Gredlerstr. 9. Jüdische Einwanderung nach Palästina. „Der Bote aus Zionu (Evangelische Quartalschrift aus Jerusalem) schreibt in seiner Nr. 4 vom November 1906: Der Auswanderung der christlichen Eingeborenen nach Nord- und Süd- Amerika steht eine nicht unbeträchtliche Einwanderung gegenüber, aber nur von seiten der Juden. Sie kommen fast nur von Russland, wofür die gegenwärtige Sachlage Erklärungsgründe genug abgibt. Und es sind nicht nur arme Juden, die ankommen, sondern auch wohlhabende, vielfach alte, die ihr Leben hier in Ruhe beschliessen möchten. Manchen gefallt es hier nicht, oder sie können sich ihr Brot nicht verdienen. Solche ziehen wieder ab, aber die meisten bleiben hier. Darum hat dieser Zuzug schon zur Folge gehabt, dass jüdische Spekulation sich wieder des Landhandels bemächtigt und hier in Jerusalem grossen Besitz sich angeeignet hat, um ihn bei günstiger Gelegenheit wieder mit Gewinn loszuschlagen. Auch grosse jüdische Gesellschaften — besonders zionistisch gesinnte — sorgen für den Fall vor, dass es gelingen sollte, grössere Massen vod Juden ins Land zu bringen, und kaufen allmählich in der Küstenebene viel Land an, das die Bestimmung hat, von Juden bebaut zu werden. Der Landerwerb ist allerdings den ausländischen Juden durch hindernde Erlasse aus Konstantinopel schwer gemacht, aber die Türkei ist das Land, wo fast alle sich entgegenstellenden Hindernisse durch geeignete Mittel aus dem Wege geräumt werden können. Was die Juden ankaufen, nehmen sie immer auch gleich in Kultur. Sie haben sich anfänglich fast ausschliesslich auf Rebenanlagen gelegt und grosse Kellereien mit Anwendung riesiger Geldsummen gebaut, nun sind sie allmählich zu der Erkenntnis gekommen, dass das verfehlt war, da sich der Wein nicht mit Gewinn absetzen lässt: darum werden weite Strecken von Weingärten in andere Anlagen umgewandelt. Man wirft sich jetzt mehr auf Mandel-, Oelbaum- und Orangenpflanzungen und hofft, damit bessere Erfahrungen zu machen, denn es handelt sich um Dinge, die auf dem Weltmarkt begehrt und absetzbar sind. Schon vor zwei Jahren (August 1904) berichtete derselbe „Bote": Die Juden dehnen ihren Besitz in der westlichen Küstenebene je länger je mehr, aus. Es sind immer grosse Güter, die sie ankaufen und allmählich kultivieren. Ihre Wirtschaften zeichnen sich durch rationelle Anlage und rasche, zielbewusste Arbeit aus. Sie verlegen sich in erster Linie auf Weinkuitur, deren Erträgnisse in riesigen Kellereien verarbeitet und offenbar mit Nutzen abgesetzt werden* Indes haben sie auch grosse Oel- und Mandelbaumanlagen, die bekanntlich nicht so rasch nennenswerte Erträgnisse liefern wie die Rebenanlagen, dann aber wertvolle Bestände werden. Ein Jahr später (November 1905) heisst es: Der Judenzuzug nach Jerusalem geht ununterbrochen weiter. In jeder Woche, versicherte mir ein Freunde der täglich Gelegenheit hat, die Ankömmlinge am Jaffator zu beobachten, kommt eine Anzahl von 100 und mehr Familien an, um sich hier niederzulassen, und