Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- Tätigkeit der Jewish Colonization Association in Palästina und den Nachbarländern [Nachricht]
- Date
- 1906-12-01
- Page
- Seite 357 (sequence 3)
- Language
- German
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— 357 — In Cypern besitzt die J. C. A. ein Terrain von 1889 Hektar, das teils verpachtet, teils von der Gesellschaft selbst verwaltet wird. Auf einer Kolonie — Margo — waren im Anfang des Jahres zwölf jüdische Farmer angesiedelt, von denen jedoch später fünf ausgewandert sind. Einige Familien aus Russland haben sich im letzten Jahre hier niedergelassen und als Arbeiter bei der Administration der J. C. A. Verwendung gefunden. Im allgemeinen jedoch soll nach der Ansicht der J. C. A.-Beamten Cypern kein passendes Ansiedlungsgebiet für jüdische Auswanderer aus Russland sein. In zwei kleinasiatischen Kolonien waren 71 Familien angesiedelt. Einige von den früheren Kolonisten sind ausgewandert. Den Zurückgebliebenen sollen nun grössere Grundstücke zugeteilt und zugleich eine rationellere Kultur eingeführt werden. Als sehr befriedigend bezeichnet der Bericht die Resultate der landwirtschaftlichen Schule Or-Jehuda in Klein-Asien. Sie zählte im Anfang des Jahres 1904/05 52 Zöglinge (darunter 4 im fünften und 14 im vierten Jahrgang). Es soll von nun ab das Unterrichtsprogramm durch Einschränkung des theoretischen Teiles vereinfacht und nur auf vier Jahre zerlegt werden. Das Jahr 1904/05 hatte einen Reinertrag von 21 700 Frcs. Auch die Landwirtschaftsschulen der Alliance Isr. Univ. in Jaffa und Dschedeida, und die Handwerkerschulen in Jerusalem werden von der J. C. A. unterstützt. Der „Jüdische Kolonisationsverein" in Wien. Die jüdischen Vereine, die die Beförderung der Ansiedlung von Juden in Palästina zum Zwecke haben, haben sich um diesen jüngst in Wien begründeten Kolonisationsverein vermehrt. Begründer und Vorstandsmitglieder des Vereins sind die hervorragendsten Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde in Wien, Kultusvorsteher, Rabbiner, Vorsitzende der B'nai B'rith-Logen und anderer bedeutender jüdischer Vereine. Der Vorstand bezeichnet in seinem Aufruf als „eine unabweisliche Pflicht eines jeden Juden, der nicht das Andenken seiner Väter, die Grundsätze seines Bekenntnisses, die Ehre seines Volkes beflecken will, helfend beizuspringen den flüchtigen Brüdern, denen das Martyrium aufgeladen wurde im Namen Israels und des Gottes seiner Väter, und ihnen eine Heimat zu schaffen, richtiger gesagt, sie ihrer alten Heimat wiederzugeben, dem Erez Israel, das verwüstet und verödet ist, seitdem seine Kinder im Golus, im Elend und Hass. dahinvegetieren, das aber wieder aufblühen wird zum Lande, wo Milch und Honig iiiesst, wenn seine Söhne als frohgemute Bauern ihr Erbe betreuen werden". Die konstituierende Generalversammlung vom 24. November 1906 wurde durch einen Vortrag von Prof. Warburg über „die Zukunft Palästinas und unsere Aufgaben daselbst" eingeleitet. Prof. War bürg behandelte in seinem Vortrag die jüdische Kolonisationsbewegung im allgemeinen und die Palästina-Kolonisation insbesondere und wies an der Hand von statistischen und vergleichenden Daten nach, dass die letztere nicht nur als momentane Hilfsaktion, sondern auch für planmässige Ansiedlung von Juden das geeignetste und fruchtbarste Arbeitsgebiet sei. Der Wiener Kolonisationsverein hat bereits an Mitgliedsbeiträgen und Spenden 9583 K. vereinnahmt und entfaltet eine lebhafte Propagandatätigkeit, um in den übrigen österreichischen Kronländern, zunächst in Böhmen, Mähren und Schlesien, Zweigvereine zu begründen.