Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1906)
- Article
- Öl aus Weintraubenkernen [Nachricht]
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 338 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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— 338 — Oel aus Weintraubenkernen. Die Menge des in den Weintraubenkernen enthaltenen Oeles hängt von der Sorte der Weintrauben und den klimatischen Verhältnissen ab. Die dunklen Sorten, welche in wärmeren Gegenden reifen, haben mehr und besseres Oel, dessen Gehalt 10—20% beträgt, in Frankreich ist man schon mit 8% zufrieden. Das Oel wird erhalten durch kaltes oder warmes Pi essen der Kerne, welche aus den Weintrestern nach Beendigung der ersten Gärung erhalten werden. Das Befreien der Kerne geschieht in verschiedener Weise; in Württemberg, indem dieselben durch Siebe gerieben werden. Die erhaltenen Kerne werden in der Sonne getrocknet, auf Walzen vermählen, mit 25% Wasser angemacht und die Masse zweimal gepresst. In Frankreich werden die Trester getrocknet und die Kerne durch Austeilen befreit und vermählen, darauf wird das Mehl in Pfannen erhitzt und zu 10 kg gegen 31 Wasser zugesetzt, wobei zu beachten ist, dass««^ sich kein Kleister bildet. Aehnlich ist die Herstellung des Oeles in Italien, wobei bisweilen die erste Pressung kalt gemacht wird. Nach deutschen Quellen werden in Württemberg auf 1C0 kg Kerne 10—11 kg rohes Oel, 7 kg gereinigtes Oel und 3 kg Salz erhalten. Nach französischen Angaben werden 8—12% Oel erhalten, wobei bei der Reinigung 25% verloren gehen. In Italien soll die Ausbeute auch gegen 10% betragen. Das Weintraubenöl kann auch durch Extraktion mit Petroleumäther oder Aether erhalten werden. Das spez. Gewicht des gepressten Oeles beträgt 0,926, der Erstarrungspunkt 17° C. Das kalt gepresste Oel hat eine hellgelbe Farbe, wird aber beim Aufbewahren schnell dunkel; heiss gepresstes Oel wird sofort dunkel gefärbt. Auch das durch Extraktion erhaltene Oel ist dunkel gefärbt, dieses lässt sich aber durch Filtrieren über Tierkohle vollständig entfärben. Zu Speisezwecken ist nur das frische kalt gepresste Oel verwendbar, da das heiss gepresste und extrahierte Oel einen unangenehmen Geruch und Geschmack hat. Das Oel wird hauptsächlich zur Seifensiederei und zum Brennen benutzt, da es langsam, hell und ohne zu blaken brennt. Das Oel ist nur sehr langsam trocknend. Die Presskuchen dienen als Viehand besonders Vogelfutter, (Westnik shirow. prcmyschl. 1906, Bd. 7, p. 51, d. Chem. Rep. 1906, No. 17.) NEUE LITERATUR. Dr. C. Ranzi. .k. u. k. Vizekonsul, „Das Verfahren vor den Zivilgerichten des türkischen Reiches". Wien 1900. Manz'sche Hof-Verlags- und Universitätsbuchhandlung. 8°. IV u. 220 Seiten. Tnoros Papasiau, Dragoman des k. u. k. österr.-ungar. Konsulates in Adiianopel Rechtsanwalt, von der Pariser Rechtsfakultät diplomiert. „Vademecum für Fremde vor den ottomanischen Gerichten und Verwaltungsbehörden.u Leipzig 1906. Verlag von C. L. Hirschfeld. 163 Seiten. Das erstgenannte Buch ist wissenschaftlich und systematisch angelegt. Es will das Verfahren vor den türkischen Zivilgerichten nebst den dazu gehörigen Materien in vollständiger und ausführlicher Weise darstellen unter Berücksichtigung des Gesetzestextes und der Rechtsprechung der obersten Gerichte. Das Fremdenrecht hat nur wenig Beachtung gefunden. Zu bedauern ist, dass da> Buch ausser dem systematischen kein alphabetisches Inhaltsverzeichnis hat. Dieses Werk ist wohl hauptsächlich zum Gebrauche für nichttürkische Juristen, die sich