Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1906)
- Article
- Industrielle Betriebe in Südpalästina [Nachricht]
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 329 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 329 - kräften für den Betrieb der Pumpen, der Kühlanlagen und der Maschinen für elektrisches Licht; schliesslich noch eine im Bau begriffene grössere Anlage für Oelpresserei in Lydda und eine kleinere Eisfabrik. Eine deutsche und eine belgische Gesellschaft haben Studien für Strassenbahnen in Jaffa und Jerusalem gemacht. Die natürlichen Bedingungen zum elektrischen Betrieb waren in Jaffa die günstigsten, da der kurze, aber nächst dem Jordan wasserreichste Fluss Palästinas, der Audsche, in einer Entfernung von noch nicht 10 km von der Stadt eine mehr als ausreichende Triebkraft abgeben würde. Derselbe Fluss würde auch in hervorragendem Masse geeignet sein, ein weites mit Orangenbäumen zu bepflanzendes Terrain zu bewässern. (Bericht des Kaiserlichen Vizekonsulats in Jaffa.) Der wirtschaftliche Wert der Sinai-Provinz. Von einer Persönlichkeit, die vor einiger Zeit eine Reise nach der Sinai- Halbinsel gemacht hat, werden in einem Fachblatt folgende Mitteilungen gemacht, die in Anbetracht des letzten Grenzstreites zwischen der Türkei und England von besonderem Interesse sind. Abgesehen von mineralischen Schätzen, über deren Vorhandensein Zuverlässiges nicht bekannt ist, dürfte die Sinai-Provinz keinen besonderen wirtschaftlichen Wert haben. Der bergige Süden, in dem das berühmte Sinaikloster liegt und das Gebiet der ägyptischen Pilgerstrassen sind im wesentlichen Sand- und Steinwüste, die nur etwa 5000 Beduinen Nahrung gewähren. Besser ist der Nordrand der Provinz — der Küstenstreifen am Mittelländischen Meere, doch ist auch über den Wert dieses Gebietes gegenwärtig noch wenig bekannt, so da<?s hier nicht näher darauf eingegangen werden kann. Für die Gouvernementsstadt El-Arisch, den früheren Grenzort, gibt der offizielle Regierungsbericht eine Bevölkerung von ungefähr 4500 Einwohnern — für den nördlichen Küstenstreifen (abgesehen von der Stadt) eine solche von 9000 an. Kenner des Landes sind der Ansicht, dass diese Ziffern nur etwa zwei Drittel der tatsächlichen ausmachen und führen die abweichenden Regierungsangaben darauf zurück, dass die Bewohner sich gern der Registrierung entziehen, um nicht zum Militärdienst und zu Steuern herangezogen zu werden. Gegenwärtig werden zwar in El-Arisch (das ganze Sinaigebiet wird als „Gouvernement El-Arisch" bezeichnet) weder Zölle noch Steuern erhoben und auch von der ägyptischen allgemeinen Wehrpflicht (von der man sich dort durch einmalige Zahlung von 20 ägyptischen Pfund loskaufen kann) wird dort kein Gebrauch gemacht. Aber die Bevölkerung fürchtet — und vielleicht nicht mit Unrecht — dass dieser paradiesische Zustand sich ändern werde, sobald das Land sich einigermassen gehoben haben würde. Die Entziehung von der Registrierung wird den Leuten auch noch dadurch erleichtert, dass sie nicht eigentlich ganz „landesansässig" sind. Die meisten von ihnen beschäftigen sich neben ihrer primitiven Landwirtschaft mit Kamel-Transportwesen und mit Viehzucht — beides Beschäftigungen, die die Bewohner des Landstriches bis nach Nordsyrien und bis nach dem eigentlichen Aegypten führen —, und auch sonst beschäftigen sie sich vielfach ausser Landes, z. B. bei der Gersten- und Weizenernte des gesegneten Hinterlandes von Gaza. Trotz dieser Verhältnisse aber, die nicht gerade einen hohen Wert oder Kulturzustand des Landes verraten, ist sicherlich noch nicht das letzte Wort über diesen unbekannten Landstrich gesprochen: So wie El-Arisch östlich, liegt die Mareotis westlich vom Nildelta, und in diesem gleichfalls unbekannten und gleich-