Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1906)
- Article
- Bericht des Bezalel
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 309 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 309 — Auch mit Rücksicht auf die geistige Eigenart der Juden, die für fabrikmässig mechanische Arbeiten sich nur in geringem Grade verwenden lassen, erscheint es angewiesen, sie zu Beschäftigungen anzuhalten, die die ganze Persönlichkeit in Anspruch nehmen. Schliesslich ist Palästina selbst, in dem der Fremdenverkehr fortwährend in Zunahme begriffen ist und in naher Zukunft infolge der vorgenommenen Vermehrung und Verbesserung der Verkehrsmittel stark anwachsen wird, ein günstiges Absatzgebiet für allerlei Kunstgegenstände, die die vielen Besucher zum Andenken an das heilige Land mit grosser Bereitwilligkeit ankaufen werden. Im Mittelpunkt aller vom Bezälel eingeleiteten gewerblichen Produktionen soll die auf breiter Basis unternommene Teppichindustrie stehen. Sie eignet sich, in hervorragendem Masse dazu, zu einer Massenproduktion ausgebildet zu werden, die ganze Schichten der Bevölkerung ernährt. Sie ist auch im ganzen Orient seit vielen Jahren eingebürgert und sehr verbreitet, und selbst in jenen Ländern, in denen sie, wie in Bulgarien, noch ganz jung ist, leben von ihr viele Dörfer und Tausende von Familien. Für Palästina wird sie besonders die Bedeutung haben, dass sie die landwirtschaftliche Ansiedelung befördern wird, indem sie dem jüdischen Kolonisten als Nebenbeschäftigung in der mehrere Monate andauernden arbeitsfreien Zeit und als dauernde Beschäftigung für Frau und Kinder dienen wird. Dieser Nebenerwerb wird den jüdischen Bauern auch ermöglichen, in kritischen Zeiten, z. B. in Perioden häufiger Missernten, sich auf der Scholle zu behaupten. Daneben werden noch je nach den günstigen Umständen andere Industrien eingeführt werden, die z. T. schon im Orient bekannt sind. Kann doch, wie bereits jetzt der sog. Mosesstein, auch der gute Marmor, der bituminöse Kalk, der feine Ton, das Olivenholz und ähnliche wertvolle Produkte des Landes zu mannigfachen Industriezwecken verwendet werden. Das Komitee des „Bezalel" zu Berlin. Die Idee des „Bezalel" stammt von dem Bildhauer Prof. Boris Schatz, der viel Erfahrung auf dem Gebiete der kunstgewerblichen Produktion gesammelt hat und sich in opferwilligster Weise zur unentgeltlichen Leitung des Werkes angeboten hat.