Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1906)
- Article
- Beirut
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 307 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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— 307 — dem Libanon von seinen wenigen Tausenden Aus- und Rückwanderern. Und doch bietet Palästina schon heute ausserordentliche Möglichkeiten für moderne Industrie — und auch, für „modernes" Kapital. 1. BERICHT DES „BEZALEL" Verein zur Verbreitung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern. Infolge der Entwickelung der Grossindustrie in den letzten Dezennien verliert das Handwerk immer mehr an Boden. Vor dem kapitalkräftigen Unternehmer kann sich der mit geringen Mitteln ausgestattete Handwerker nicht behaupten, der Maschinentechnik ist die einfache Handfertigkeit nicht gewachsen. Aber ebenso wie die Kunst niemals von der Maschinenindustrie verdrängt werden kann, behält auch das die Kunst mit dem Handwerk verbindende Kunsthandwerk andauernd seine Existenzberechtigung. Ja, es hat noch Aussichten auf weitere Verbreitung in dem Masse, als der Geschmack des Menschen sich mehr und mehr verfeinert und individualisiert. Ist nun aus diesem Grunde die Förderung des Kunstgewerbes im allgemeinen als ein zeitgemässes Unternehmen zu bezeichnen, so gilt dies besonders für ein Land wie Palästina, das wirtschaftlich rückständig und noch gar nicht in die „Epoche des Kapitalismus4' eingetreten ist; hier wird das in den westlichen Ländern „aussterbende'1 Kleinhandwerk noch viele Jahre lebenskräftig sein. Deshalb hat sich auch der „Bezalel" zur Aufgabe gemacht, neben dem eigentlichen Kunsthandwerk Hausindustrie in weitem Umfange unter der palästinensischen Bevölkerung zu verbreiten, in der Erwartung, dass hierdurch für viele Familien Beschäftigung und Broterwerb geschaffen werde. Das Kunstgewerbe kann aber deshalb besonders bevorzugt werden, da das Land mit seinen reichen geschichtlichen Denkmälern und seiner herrlichen Natur zu künstlerischem Schaffen Anregungen der verschiedensten Art gewährt. Ferner ist für die in Aussicht genommenen Kunstgewerbe (Ton-, Holz-, Metall- und Steinarbeiten, eventuell auch Kunststickerei, Spitzenklöppelei u. dgl.) das Rohmaterial teils im Lande selbst in ausgesuchter Feinheit und grosser Mannigfaltigkeit vorhanden, teils lässt es sich verhältnismässig billig und leicht importieren.