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Altneuland · 1906-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1906) · p. Seite 255

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1906)
Article
Aus der italienischen Hutindustrie [Nachricht]
Date
1906-07-01
Page
Seite 255 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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— 255 — dieser Industrie. Der grösste Teil der Ausfuhr an toskanischen Strohhüten geht nach Nordamerika. Auch Paris und London sind gute Märkte für diesen Artikel. Man schätzt den Wert dieses toskanischen Exportes auf 25 Millionen Lire. Auch die Landschaft Emilia und hier namentlich die Ortschaft Carpi hat Bedeutung für die Strohhutindustrie und eine Ausfuhr von ungefähr 8 Millionen Lire. In Carpi werden vornehmlich Bastgeflechte erzeugt. Ein drittes bedeutendes Zentrum für die in Rede stehende Industrie ist Marostica bei Vicenza. Hier wird der Strohhalm ganz verarbeitet, zum Unterschied von Toskana, wo der untere Teil (pedale) und der obere (punta) getrennt zur Verwendung gelangen. In Marostica bestehen 10 Fabriken mit einem jährlichen Erlös von zirka 4% Millionen Lire. Hier wird auch japanisches und -chinesisches Geflecht veiarbeitet. Endlich wäre noch Neapel zu erwähnen, das an 600 Arbeiter in der Strohhutindustrie beschäftigt. Bauernleben im Heiligen Lande. Fesselnde Bilder aus dem heutigen Palästina entwirft der Rev. C. T. Wilson, der jahrelang Missionar im Heiligen Lande war, in seinem soeben erschienenen Buche „Peasant Life in the Holy Land". Wenn man die alten Bewohner Palästinas und ihre Sitten, so wie sie in der Bibel geschildert werden, besser verstehen lernen will, muss man die Bauern oder Fellachen studieren. Die Juden sind meistens „Fremde in ihrem eigenen Lande, Einwanderer von Europa oder anderen Erdteilen, die die Sprache, Tracht und Ideen der Länder mitbringen, in denen sie so lange gewohnt haben". Die Fellachen hält der Verfasser dagegen, wie Professor Sayce für die Nachkommen der früheren Heidenstämme, die nie ausgerottet wurden und Sklaven der Juden und der anderen erobernden Rassen waren. „Sie beugten sich dem Sturm, und man verlor sie eine Zeitlang aus dem Auge, aber sie erschienen immer wieder, wenn sich das Land nach dem feindlichen Einfall beruhigte." Der Gang des modernen Fortschrittes, die leichteren Verkehrsmittel und die Einführung abendländischer Erzeugnisse reissen jetzt bereits die Schranken nieder, die die einzelnen Sekten voneinander und von der Aussenwelt trennten, und bewirken eine Vermischung der Jahrhunderte alten •charakteristischen Sitten und Gebräuche Palästinas. Die Fellachen sind meist Mohammedaner, aber es gibt auch viele christliche Sekten und einige Drusen. Die religiösen Linien sind sehr stark gezogen, die Religion selbst ist gewöhnlich sehr förmlicher und oberflächlicher Art und von Aberglauben durchsetzt. Wo die Schranken weniger genau begrenzt sind, entlehnen Mohammedaner und Christen einander von ihrem Glauben die bösen Geister, Omina, Zauberformeln und Beschwörungen. In vielen Fällen kennen weder Christen noch Mosleminen ihren eigenen Glauben. So erzählte ein griechischer Christ von den Bewohnern seines Dorfes: „Der einzige Unterschied zwischen unseren und den mohammedanischen Frauen ist der, dass die einen bei der Jungfrau und die anderen beim Propheten schwören.** Rituelle Handlungen sind viel wichtiger als das Halten des Sittengesetzes. So erzählt Wilson: „Es ist „ungesetzlich" (d. h. sündig), auf Brotkrumen zu treten, und ich habe gesehen, wie ein muselmännischer Händler, der in jedem zweiten Satz schwört und keine Gelegenheit versäumt, einen Kunden zu betrügen, höchst gewissenhaft von dem Boden eines Eisenbahnwagens einige kleine Brotkrumen aufnahm, .die ein reisender Europäer hatte fallen lassen, damit er nicht aus Versehen darauf treten konnte."

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