Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Die Reblaus am Rhein, an der Mosel und in der Schweiz [Nachricht]
- Date
- 1906-07-01
- Page
- Seite 253 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 253 — heimgesucht, während sie heuer auch am Rhein, namentlich in den besten Lagen des Rheingaues, furchtbar wütete. Besonders bedauerlich ist es, dass durch die Einwirkungen der Peronospora schon jetzt die Blätter braun werden und vertrocknen, so dass die Säfte, die von den Wurzeln aufgesaugt werden und, um für den ganzen Stock nutzbar wirken zu können, in ihnen durch den Einfluss der Luft „assimiliert" werden sollen, in unbrauchbarem Zustande wieder zurückfluten. Der Stock wird dadurch sehr geschwächt, und es muss infolgedessen auch im nächsten Frühjahr an den sonst angesammelten Reservestoffen fehlen, die für den ersten Trieb notwendig sind. Die Winzer sehen deshalb sehr traurig der Zukunft für die nächsten Jahre entgegen. Bei Sitten im Wallis, einem der besten Weingelände der Schweiz, ist die Reblaus aufgetaucht. Es wurde ein Reblausherd entdeckt, der etwa 100 Weinstöcke umfasst. Das Wallis war sonst bisher von diesem Schädling verschont geblieben, und die Regierung hatte es an Schutzmassnahmen nicht fehlen lassen: die Einfuhr von Rebstöcken, Setzlingen, Tafeltrauben war strengstens untersagt. Auch besteht seit 1879 eine Versicherungskasse gegen die Reblausgefahr; jeder Weinbergbesitzer bezahlt jährlich 5 Rappen*) auf je 100 Fr. des Katasterwertes seiner Reben. Infolgedessen verfügt die Kasse gegenwärtig bereits über 93 000 Fr. VERMISCHTES. Rückgang der Olivenölausfuhr aus Spanien. Während auch früher schon Spanien von dem Bedarf Amerikas und Europas an Olivenöl nur 10—15% lieferte, ist seine Ausfuhr von feinem Oel in letzter Zeit noch erheblich gesunken. Italien und Frankreich beziehen verhältnismässig grosse Mengen gewöhnliches Olivenöl aus Spanien, das in Marseille, Genua und Livorno mit dem in diese Freihäfen zollfrei eingebrachten amerikanischen Baumwollsamenöl vermischt wird. Das Olivenöl vermag 30—40 % Baumwollsamenöl aufzunehmen; der Preis des letzteren ist während der letzten Jahre erheblich zurückgegangen und beträgt nur noch 42 bis 45 Francs für den Doppelzentner, gegen 80 Francs in früherer Zeit. Zudem bringt Amerika eine besondere Sorte Baumwollsamenöl als „Winteröl" auf den Markt, das sich wegen seiner glänzenden, goldigen Farbe, seiner Geschmack- und Geruchlosigkeit, und weil es nicht gefriert, vorzüglich zur Vermischung mit Olivenöl eignet. Auch dieses Oel kostet in den genannten Häfen nur 45 Francs pro dz, während spanisches Olivenöl sich auf 95 Francs, in feineren Sorten sogar auf 110 bis 125 Francs fob. Malaga oder Sevilla stellt. Das aus Oliven- und Baumwollsamenöl zusammengekochte Produkt wird nun als Olivenöl nach Europa und Amerika in grossen Mengen seitens Italiens und Frankreichs abgesetzt, und das reine spanische Oel wird vom Markte immer mehr verdrängt. Die Verbraucher ziehen dem reinen, mit einem charakteristischen Geruch und Geschmack behafteten spanischen Oel das gemischte Produkt bereits vor. Aus Spanien wurden im Jahre 1904 nach Italien 14 216 074 kg und nach Frankreich 8 350 650 kg Olivenöl ausgeführt. Diese Länder hatten in jenem Jahre Missernten in den Olivenplantagen zu verzeichnen und waren daher grösstenteils auf spanisches Oel angewiesen, um ihren Ausfuhrhandel aufrecht erhalten zu können. Dabei exportierte aber Italien 48 000 000 kg Olivenöl, *) Schweizerische Münze mit einem Rabenkopf. 1 Rappen 1 Centime (0,01 Frcs .). D. Red.