Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Von der Sinaihalbinsel [Nachricht]
- Date
- 1906-07-01
- Page
- Seite 248 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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— 248 — Von der Sinaihalbinsel. Wie der letzte Vierteljahrsbericht des englischen Palestine Exploration Fund mitteilt, haben die Engländer neuestens begonnen, Anstalten zur Besetzung und Kolonisierung der Sinaihalbinsel zu treffen. Nach dem Jahresbericht des Earl of Cromer über die Zustände Aegyptens und des Sudan im Jahre 1905 ist Mr. Jennings Bramley, ein ausgezeichneter Kenner der arabischen Verhältnisse und des Beduinentums, der im letzten Jahre mehrere Fehden unter den Eingeborenen der Sinaihalbinsel beigelegt hat, jetzt zum selbständigen Kommandanten der Sinaihalbinsel ernannt worden. Folgende Einrichtungen werden von ihm geplant: Ein tüchtiges und leistungsfähiges Kamelkorps soll organisiert werden; in Nachl, einem Orte an der Pilgerstrasse zwischen Suez und Akaba, soll eine Polizeistation, eine Moschee und Baracken zur Unterbringung von Reisenden errichtet werden. Zur Anlage von Baumpflanzungen, Gärtnereien und Wasseranlagen sollen Geldmittel bereitgestellt werden; speziell hofft man bei el-Arisch eine grosse Fläche Landes kulturfähig machen zu können- Auch eine Telegraphenlinie nach Nachl und eine Strasse für Motorwagen nach diesem Orte ist geplant. Wenn diese Massnahmen, wie zu erwarten steht, mit Energie durchgeführt werden, so wird ohne Zweifel das Aussehen der Sinaihalbinsel, die bisher gänzlich wüste lag, in kurzer Zeit völlig umgestaltet werden. Die türkische Zollerhöhung. Die fast schon fertige Tatsache der Erhöhung des türkischen Zolles um 3% auf sämtliche Einfuhrwaren, über die wir in unserer vorigen Nummer berichteten, scheiterte in letzter Stunde an dem Widerspruch Englands. Dieser Widerspruch Englands erklärt sich durch die letzten englandfeindlichen Kundgebungen in Aegypten und den Grenzstreit mit der Türkei. BEITRAEGE ZUR KENNTNIS DER WEINFRAGE. Weinherstellung und Destillation in Kalifornien. Durch die bevorstehende Uebemahme der Weinkellereien in den jüdischen Kolonien durch die Kolonisten selbst gewinnt die Frage der Weinherstellung gegenwärtig eine erhöhte Bedeutung. Es ist unleugbar ein schwieriges Gebiet, auf dem, parallel mit der mangelhaften Pflege der Absatzfrage, schwer gesündigt wurde. Die Fabrikationsrichtung wird hier durch die besonderen klimatischen Verhältnisse des Landes beeinflusst, und es gehört zu einem erfolgreichen Eingreifen hierin ein grosses Mass von Fachkenntnis, sowohl theoretischer wie praktischer. Wir haben schon an anderer Stelle unsere Kolonisten vor Ueberhebung nach dieser Richtung hin gewarnt, die z. B. in der Uebergabe der Weinfabrikation an einen aus ihrer Mitte den Ausdruck finden würde (vgl. Neujahrsartikel 1906), und empfahlen, zur Weinfabrikation eine erstklassige tüchtige Kraft zu engagieren. Es ist nicht ausgeschlossen, dass gerade ein in der kalifornischen Weinherstellung erfahrener Fachmann für die palästinische Weinfabrikation besonders in Betracht käme, da die einschlägigen Verhältnisse Kaliforniens denjenigen von Palästina sehr ähnlich sind. Dem schon mehrlach zitierten Werke von D. Sandmann*) entnehmen'wir auszugsweise auch die folgenden Schilderungen. Der erste Teil derselben führt *)D.Sandmann:0 bstbau und Obstverwertung in Nordamerika nebst Vorschlägen zum Aus bau dieser Erwerbszweige in Deutschland. Verlag von H. S. Hermann, Berlinl905. 8°. 85 Seiten"