Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Jüdische Kolonisation in Palästina [Nachricht]
- Date
- 1906-07-01
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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— 242 — Der „Schwäbische Merkur4* und „Die Postu schreiben über jüdische und schwäbische Kolonisten in Palästina: „Für die Mehrzahl der auswanderungslustigen Juden bedeutete Palästina noch vor einigen 20 Jahren nur wenig. Damals waren es nur die „Frommen in Israel", die danach strebten, sich in den heiligen Stätten anzusiedeln, und die Lebensjahre im Gebet für die „Rückkehr" zubrachten, die fernab wie nur je erschien. Jetzt ist das anders geworden. Man begegnet nicht mehr bloss diesen kränklich aussehenden bleichen Judenfiguren, sondern neben ihnen den kraftvollen Söhnen harter Arbeit. In jedem Jahre beinahe sind neue Kolonien gegründet worden; es gibt davon schon über 30, und die Zeit trägt nur dazu bei, sie zu vermehren und auszudehnen. Der dritte Teil des eigentlichen Palästinas ist wieder jüdischer Boden geworden. Im Jaffadistrikt sind 40% des Landes in jüdischen Händen und in dem von Tiberias nicht weniger als 75°/0, während auch weite Strecken des Ostjordanlandes wieder unter jüdische Kultur kommen. Die Juden sind so sehr darauf aus, wieder in den Besitz des Landes zu gelangen, dass sie sich bemühen, alles anzukaufen, was auf den Markt kommt. Die schwäbischen Kolonisten, die sich von den 60 er Jahren des 19. Jahrhunderts in Haifa, Jaffa und Jerusalem ansiedelten und mit zähem Fleiss blühende Schwabendörfer im Orient schufen, haben heute stark mit jüdischer Acker- und Weinbaukonkurrenz zu rechnen. So beschlossen die Schwaben vor einiger Zeit, Land zu einer neuen Kolonie für ihre heranwachsenden Kinder zu kaufen, aber die jüdische Konkurrenz zwang sie, von ihrem Vorhaben abzustehen. Wenn nun jemand, der das heilige Land besucht hat, auf die Unfruchtbarkeit des Bodens hinweist, der nie eine grosse Bevölkerung ernährt habe und wohl auch niemals eine solche werde ernähren können, also auf die weiten Felder voll weisser Felsen und Steine, welche die Regen der Jahrhunderte kahl gewaschen haben und worauf kaum eine Handvoll Gras wachsen kann, so liegt gerade in diesen Steinöden, die so ermüdend für den Reisenden und so angreifend für die Augen sind, die Hoffnung der jüdischen Ansiedler. Man braucht nur in diese kieselharte Oberfläche etwas tiefer einzugreifen, um zu entdecken, dass der Fels in Wirklichkeit weich ist, so dass die Wurzeln von Bäumen und Reben eindringen und daraus ihre Nahrung nehmen können. Sind erst diese meilenweiten Oeden in Weinberge, Olivenhaine und Obstgärten verwandelt, so muss selbst der Staub der Luft dazu dienen, eine Erdoberfläche zu bilden, während die zunehmende Bewaldung auch vermehrten Regen bringt. Die Schwaben auf dem Karmel haben ganze Stücke dieser Felsen mit viel Arbeit und grossen Kosten entfernt, aber sie hätten das unterlassen sollen. „Sie hätten", wie ein Sachverständiger schreibt, den seine Regierung ins heilige Land zu Bodenbauuntersuchungen schickte, „die Oberfläche nur dort, wo sie hinpflanzten, durchbohren und sie an allen anderen Orten unberührt lassen sollen. Denn gerade diese harte Oberfläche dient dazu, die darunter enthaltene Feuchtigkeit zu bewahren." Es ist deshalb Schwaben, die nach Palästina auswandern wollen, zu raten, sich einen Besitz erst durch landeskundige und eingesessene Landsleute sichern zu lassen und nicht aufs Geratewohl ins heilige Land zu ziehen und dort blindlings sich anzukaufen." Die tendenziöse Färbung der letzten Mitteilung ist in die Augen springend. Leider sind die Verhältnisse für die Juden in Palästina noch lange nicht so günstig. Die Schlussbemerkung ist auch unsererseits zu beherzigen.