Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Informationen über Palästina
- Date
- 1906-07-01
- Page
- Seite 209 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 209 — Die Landwirtschaft in Palästina ist noch grosser Entwickelung fähig. Düngung ist noch so gut wie unbekannt, landwirtschaftliche Maschinen (ausser zu Bewässerungszwecken) noch sehr wenig in Gebrauch. Kenntnis der fortgeschritteneren Bodenkultur von klimatisch ähnlichen Ländern mangelt fast gänzlich. Die landwirtschaftlichen Industrien sind noch fast unbekannt. Besonders mangelt es den jüdischen Kolonisten an Kenntnis der Milchwirtschaft, der Geflügelzucht und des Gemüsebaues. Spezialisten in diesen Fächern, die über das notwendige Kapital verfügen, hätten gute Chancen und sollten sich von den schlechten Erfahrungen mangelhaft ausgebildeter Kolonisten nicht abschrecken lassen. Sehr wichtig wäre Aufnahme der Seidenkultur in grösserem Massstabe. Auch ist Mandel- und Olivenpflanzung als sehr rentabel zu empfehlen, der Oelbaum verdient ganz besondere Beachtung. Er ist eine der für Palästina am besten geeigneten Kulturen, ist verhältnismässig leicht zu behandeln und trägt bei richtiger Methode frühzeitig und reichlich. Andererseits ist aber auch vor der viel verbreiteten Ansicht zu warnen, dass jeder, der nur will, ein Ackerbauer sein könne. Besonders ist die Kostenfrage im Auge zu behalten, da an landwirtschaftlichen Kredit für neue Einwanderer gegenwärtig in keiner Form zu denken ist. Genossenschaften zum Zwecke gemeinsamen Bodenkaufes und gemeinsamer Verbesserungsarbeiten (Bewässerung usw.) könnten mit verhältnismässig geringerem Risiko und grösserem Nutzen Baumpflanzungen usw. anlegen. Auch die Vorbereitung von Land nebst Bepflanzung usw. zum Zwecke des Weiterverkaufs an neue Einwanderer wäre eine landwirtschaftliche Tätigkeit, die hohen Nutzen abwerfen kann. Die Nachfrage ist in dieser Beziehung recht gross. Kosten landwirtschaftlicher Ansiedelung. Ueber diesen Punkt sind, wie vielfache Anfragen an das Informationsbureau zeigen, die unklarsten Ansichten verbreitet. Im allgemeinen werden nach den bisherigen Erfahrungen folgende Summen für eine landwirtschaftliche Selbständigkeit für notwendig erachtet: Zur Ansiedelung als Ackerbauer mindestens 12 000 Frcs. Für Kauf oder Anlage von Bojaren (Orangegärten) usw. mindestens 25 000 Frcs. (ohne Wohnhaus). Für gemischte Wirtschaft zwischen obigen Preisen. Auf Kredit zum Zwecke landwirtschaftlicher Niederlassung haben Einwanderer vorläufig nicht zu rechnen, ebensowenig auf