Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Landwirtschaft der Insel Mallorka [Nachricht]
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 128 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 128 — mus; eingekochte Tomaten, Pfefferschoten, Gemüsekonserven und Kapern in Essige Die Ausfuhr betrug im Jahre 1903 3800 t und wird 1905 infolge der grossen Aprikosen-, Tomaten- und Kapernemte jedenfalls einen höheren Betrag erreicht haben. Der Export nach Deutschland blieb im Jahre 1905 unbedeutend; 85%, der Gesamtproduktion der Insel wurden nach England exportiert. An Kapern liefert die Insel Mallorka einen grossen Teil nach der Provence^ von wo sie dann teilweise unter falscher Flagge nach Deutschland ausgeführt werden. Auch Feigen liefert die Insel jährlich in grossen Quantitäten nach* Frankreich; die Frucht ist an Süssigkeit der levantinischen ebenbürtig, " aber in . Deutschland nicht beliebt, weil sie in wenig ansprechender Verpackung zur Ausfuhr gelangt. Die Ausfuhr an frischen Früchten und Gemüse, worunter Orangen, Zitronenr Mandarinen. Aprikosen, Tomaten, Zwiebeln usw., dürfte nach der guten Ernte im Jahre 1905 ein Quantum von etwa 3000 t erreicht haben. Bestimmungsländer sind das spanische Festland und Frankreich, da trotz konvenierender Preise Deutschland mangels direkten Dampferverkehrs nicht in Frage kommen kann. Bis vor ca. 15 Jahren war die Insel Mallorka fast ausschliesslich ein Weinprodukiionslaud. Die Reblaus verwüstete 1891/92 fast den ganzen Rebenbestand so dass die heutige Produktion nicht einmal dem einheimischen Konsum genügt^ vielmehr noch eine nicht unbedeutende Einfuhr stattfindet. Die ruinierten Bauern begannen nun klugerweise den Obstbau, hauptsächlich Mandeln . und Aprikosen- Da nun jedes Jahr eine Anzahl junger Pflanzungen In das ertragsfähige Alter tritt, vergrössern sich die Ernten von Jahr zu Jahr, so dass eine kleine Ernte von heute einer grossen von vor 15 Jahren gleichkommt. Der Mandelbau hat für die Bauern den Vorteil, dass die spärlich belaubten Bäume einen Getreidebau unter sich gestatten. Die Mandelernte betrug 1905 etwa nur die Hälfte derjenigen von 1904;: trotzdem bilden die Mandeln dem Werte nach den wichtigsten Exportartikel der Insel. Schätzungsweise sind 1905 etwa 20 000 Sack ausgeführt worden. Die Produktion dieser Frucht in grösserem Massstabe ist, wie bereits gesagt, noch nicht alt. Bis vor ca. 5 Jahren war Frankreich der einzige Abnehmer, und von dort ging die Ware nach Nordeuropa weiter. Nachdem jedoch in Frankreich häufig Mischungen mit halbbitteren Marokko-Mandeln vorgekommen waren, gewöhntesich die englische und später auch die deutsche Industrie daran, die Mandeln direkt von Mallorka zu beziehen. Jetzt steht England als Bestimmungsland art erster, Deutschland (einschl. der Transithäfen Antwerpen und Rotterdam) an zweiter, und Frankreich erst an dritter Stelle. Die Mallorka-Mandeln eignen sich, weil sie niemals bittere Früchte enthalten, vorzüglich zur Marzipan-, Schokolade- und Zuckerwarenfabrikation. In bezug auf Oel ist zu bemerken, dass die Oliven auf Mallorka ein vorzügliches- Oel liefern konnten; indessen sind die auf der Insel im Gang befindlichen Pressenvon veraltetem System und arbeiten zu langsam, so dass infolge des Anfaulens eines Teiles der Früchte das Oel meist einen ranzigen Beigeschmack hat, welcher es für deutsche Märkte als Speiseöl unverkäuflich macht, es wird fast ausschliesslich nach dem spanischen Festlande zu Mischungszwecken ausgeführt. Die Ernteaussichten für 1906 sind günstig. Verantwortlich für den redaktionellen Teil von wAItnenlanda Dr. S. Soskin, Berlin. Drock von Pass & Gar leb G.m.b.H., Berlin W. 35, Sieglitzerstr.il.