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Altneuland · 1906-04-01 · Heft 4 (April 1906) · p. Seite 109

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 4 (April 1906)
Article
Syrien als Wirtschafts- und Kolonisationsgebiet
Date
1906-04-01
Page
Seite 109 (sequence 1)
Language
German
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— 109 — SYRIEN ALS WIRTSCHAFTS- UND KOLONISATIONSGEBIET. Von Professor Dr. O. Warburg. (Schluss.) Der Handel Syriens. Dass sich bei dem grossen Export und Import des Landes ein sehr reger Handel ausbilden musste, ist selbstverständlich. Er hat aber, wie alles im Orient, seine besonderen, dem Lande angepassten und durch die Geschichte und politischen Verhältnisse bedingten Formen angenommen. Einen geregelten Grosshandel mit festen Usancen wird man in Syrien vergebens suchen. Leute, die in europäischen Anschauungen aufgewachsen, dort Geschäfte machen wollen, müssen meist viel Lehrgeld bezahlen, Normen, wie „Zeit ist Geld", „ein Mann ein Wort" gelten für den Orient nicht, langes Kreditgeben ist Brauch, 10—20 0/0 Zinsen zu nehmen ist kein Wucher, die Richter sind nicht unbestechlich, das Gerichtsverfahren kompliziert, schleppend und unsicher. Die Geschäftspraktiken der dort den Handel meist beherrschenden Griechen und Armenier sind sehr oft nicht gerade sauber zu nennen, die Versuche, bei misslungener Spekulation sich durch geschraubte Interpretation der Verträge aus der Affäre zu ziehen, sind gang und gäbe. Grosse ausländische Häuser gibt es in den syrischen Städten nur wenige, meist wird auch der Import durch kleinere Firmen vermittelt, zum grossen Teil sind es Griechen und Juden, in Nordsyrien auch Armenier; unter den Europäern sind speziell deutsche Firmen vertreten, besonders in Palästina sowie in Beirut. Ebenso gibt es bisher in Syrien nur wenige europäische Banken und zwar gibt es Filialen der französisch-türkischen Ottomanbank in Aleppo, Beirut. Damaskus, Jaffa. Jerusalem, der Credit Lyonnais hat eine Filiale in Jerusalem; ausserdem gibt es zwei kleinere nur nach Syrien arbeitende Banken, die deutsche Palästinabank in Jaffa, Jerusalem und Haifa und die Anglo-Palestine Co. in Jaffa und Jerusalem, beide mit einem Kapital von je 800 000 Mark arbeitend. Die neugegründete deutsche Orientbank geht mit dem Plane um, schon demnächst eine Niederlassung in Beirut zu errichten und ebenso beabsichtigt die Anglo-Palestine Co. noch einige weitere Filialen zu begründen.

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