Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Deutschlands Fortschritte in Syrien in arabisch-französischer Beleuchtung [Nachricht]
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 96 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 96 - Frankreich hatte, um seine Interessen zu sichern, zwei starke Stützen zur Hand: einmal nämlich die Unterstützung der Geistlichkeit, die dank dem Beichtstuhle und der Predigt einen gewaltigen Einfluss auf die Leute besass, zweitens in der sehr grossen Verbreitung der französischen Sprache. Deutschland wandte zwei andere Mittel an, deren Wirksamkeit sehr bald eintreten konnte und deren Resultat für die deutsche Bevölkerung sehr vorteilhaft sein konnte. Der Handel und besonders die Industrie Deutschlands befinden sich heute auf dem Vormarsche und werden, davon sind wir überzeugt, auch weiterhin mit Riesenschritten vorwärts gehen. Diese unsere Ueberzeugung basiert auf folgenden Erwägungen: Die Syrier sind auf eine fremde Stütze angewiesen. Versagt die eine, so suchen und akzeptieren sie gern die andere; da nun die beiden hauptsächlichsten Stützpunkte Frankreichs schwächer werden und nahezu schon verschwunden sind, so werden sie durch den deutschen Einfluss ersetzt werden. In der Tat haben die Zwangsmassregeln, die die Regierung der französischen Republik gegen die Geistlichkeit ihres Landes ergriffen hat, in der Seele der syrischen Geistlichkeit eine Missstimmung hervorgerufen, die dem Volke nicht lange verborgen bleiben konnte, trotzdem die französischen Verwaltungsbeamten sich alle Mühe geben, die Geistlichen und die Katholiken in Syrien viel besser zu behandeln als in der französischen Heimat. Dieser Zustand der Dinge kann nicht lange dauern, und dann ist die erste Grundlage des französischen Einflusses erschüttert. Es bleibt die französische Sprache übrig, die weit in Syrien verbreitet ist. Aber wenn Frankreich die Sympathie und die Anhänglichkeit der Geistlichkeit verliert, verliert es gleichzeitig seine Hauptagenten für die Verbreitung der französischen Sprache, deren Schulen von französischen Subventionen leben, diese Sprache zum Hauptelement des Unterrichts machten. Da nun die Industrie und der Handel Deutschlands bereits an die Spitze getreten sind, so wird auch die syrische Jugend, die empfindet, dass die französische Sprache ihr nicht mehr wie früher die Tür zu Aemtern und Anstellungen ön°net, der französischen Sprache den Abschied geben, um sie durch die deutsche und die englische zu ersetzen. Von grösstem Werte für die Verbreitung der deutschen Sprache wäre es, wenn die Regierung des deutschen Kaisers dem französischen Einflüsse dadurch den Gnadenstoss gäbe, dass sie in Syrien subventionierte Schulen gründet, in denen das Deutsche zugleich mit dem Türkischen und Arabischen gelehrt wird. Auch die deutsche Industrie könnte sich noch viel weiter in Syrien ausdehnen. Da das Wasser als bewegende Kraft fast überall in Syrien und besonders im Gebiete des Libanons vorhanden ist, so wäre es sehr vorteilhaft für die deutsche Industrie, zu Gründungen zu greifen, die davon Gebrauch machen können, wie Zementfabriken, Herstellung künstlicher Steine, Wassermühlen, elektrische Einrichtungen, die durch die zahlreichen Wasserfälle erleichtert werden, Ausnutzung vergessener oder liegengelassener Minen; auch Gesellschaften für die Herstellung guter Wasserverhältnisse in den grösseren Städten und für die Bewaldung der jetzt.kahlen Berge könnten gute Geschäfte machen. Durch all diese Mittel könnte der deutsche Einfluss zum vorherrschenden in Syrien gemacht -werden." Ich kann aus langjähriger Kenntnis der syrischen Verhältnisse die Ausführungen des Herrn Fares fast durchweg als zutreffend bezeichnen und möchte noch besonders betonen, dass mir vor allen Dingen sein Vorschlag zur Begründung und Subventionierung einer Reihe von deutschen Schulen höchst beachtenswert erscheint. Hierbei sollte die deutsche Regierung mit der Industrie Hand in Hand gehen. Verantwortlich für den redaktionellen Teil von „Altneuland" Dr. S. Soskin, Berlin. Druck von Pass & Gar leb G.m.b.H., Berlin W. 35, Steglitzerstr.il.