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Altneuland · 1906-03-01 · Heft 3 (März 1906) · p. Seite 84

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 3 (März 1906)
Article
Die Bedeutung der Hedschas-Bahn für den Handel [Nachricht]
Date
1906-03-01
Page
Seite 84 (sequence 2)
Language
German
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— 84 — Jahre dienen müssen, so ist dies ohne Beeinträchtigung der militärischen Ausbildung sehr gut möglich. Ausserdem kommt ständig, durch freiwillige Spenden armer wie reicher Mohammedaner, nicht nur aus^ der Türkei selbst, sondern auch aus mohammedanischen Ländern, wie Aegypten, mehr Geld zusammen, als für die laufenden Kosten nötig ist. Angeblich ist nämlich die Hedschas-Bahn lediglich eine Pilger-Bahn, mit der Bestimmung, die pilgernden Mohammedaner aus der gesamten Türkei nach Mekka zu bringen, unter Vermeidung der beschwerlichen und langen Schiffsreisen. Durch Ausgeben dieser Parole aber und eigene Inangriffnahme des Werkes hat die Pforte eine grosse Klugheit betätigt; denn sie kommt dadurch in den kostenlosen Besitz einer strategischen Bahn von ganz ausserordentlicher Bedeutung, wie der gegenwärtige Aufstand in Yemen zeigt. Wie steht es nun mit der Bedeutung der Hedschas-Bahn für den Handel? Ein österreichischer Generalmajor, mit dem wir in Jericho zusammentrafen."bestritt diese Bedeutung rundweg. Vielleicht ist ein Generalmajor kein befugter Beurteiler von Handelsangelegenheiten; aber auch Leute, die von Handel und Export etwas verstehen müssen, bestreiten den handelspolitischen Wert der Hedschas-Bahn, während andere ihn bejahen. Nach unserer Meinung ist die Bedeutung der Hedschas-Bahn für den Handel eine ungeheuer grosse. Es handelt sich um nichts Geringeres, als die Erschliessung Arabiens, das viel dichter bevölkert ist, als man in Europa glaubt, und mit dem in der Gegenwart allerdings die europäischen Handelsbeziehungen geringfügige sind, namentlich was den Export nach dort betrifft. Nach Mekka kann sich heute noch kein Nicht-Mohammedaner wagen; die Hedschas-Bahn muss naturgemäss, sei es schnell oder langsam, diese Abgeschlossenheit durchbrechen und den europäischen Exportwaren im Innern Arabiens ebensogut ein Absatzgebiet schaffen, wie andere, lange Zeit abgeschlossene Länder sich schliesslich als vorzügliche Absatzgebiete für Waren aller Art entpuppt haben. Es ist denn doch etwas anderes, wenn die Güter von Mekka nach Berlin und umgekehrt ein paar Tage oder ein paar Wochen zu ihrer Beförderung brauchen, falls sich das Verhältnis nicht am Ende noch günstiger stellt, ganz abgesehen von der Unsicherheit der gegenwärtigen Karawanen-Beförderung zwischen Mekka und den Roten Meeres-Häfen. Aber selbst den unwahrscheinlichen Fall angenommen, dass die Handelsbeziehungen zwischen Europa und Mekka, wie überhaupt mit Arabien, nie bedeutende werden würden, so ist eben die Hedschas-Bahn in ihren nördlicheren Strecken für den Handel um so bedeutsamer. Von vielen Beispielen nur eins: Es-Salt im Ost-Jordanland ist eine Rosinen-Stadt 'par excellence. Die Es-Salter Rosinen gehören mit zu den allerbesten, die es überhaupt gibt, nach unserer eigenen Kenntnis und dem Urteil eines vom Preussischen Ministerium nach Palästina gesandten Direktors einer landwirtschaftlichen Schule, der eigens zum Zwecke des Studiums der Rosinen-Kultur Es-Salt besucht hat und uns persönlich von seinen Erfahrungen Mitteilung machte. Da es in Es-Salt fast nur Mohammedaner gibt, so werden die Trauben dieser reichen weinbebauten Gegend nicht zu Wein, sondern zu Rosinen verarbeitet. In zwei bis drei Tagereisen bringen die Es- Salter Fellachen oder Beduinen ihre Rosinen mittels Esels-Karawanen über Jericho nach Jerusalem, wo sie das Rottel (zwölf Pfund) für Medschidie (85 Pfennige) oder noch billiger verkaufen. Bis jetzt sind die prachtvollen Es-Salter Rosinen nur gelegentlich nach Europa gelangt; ist aber erst in Kleinasien die Eisenbahn- Verbindung überall hergestellt, so kann Es-Salt seine Rosinen-Massen durch die Hedschas-Bahn direkt nach Europa versenden, womit infolge dieser erstklassigen

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