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Altneuland · 1906-02-01 · Heft 2 (Februar 1906) · p. Seite 64

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 2 (Februar 1906)
Article
Tunnelbau im alten Palästina [Nachricht]
Date
1906-02-01
Page
Seite 64 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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— 64 — Tunnelbau im alten Palästina. Im „Scientific American" wird anlässlich des Durchstichs des Simplontunnels darauf aufmerksam gemacht, dass hebräische Ingenieure vor 2500 Jahren, zur Zeit des Königs Hiskia, ähnliche Arbeiten ausgeführt haben, wie sie beim Simplontunnel gemacht wurden. Untrügliche Beweise dafür glaubt Prof. Dr. Bertholet von der Universität Basel entdeckt zu haben. Der König Hiskia., der im Jahre 727 v.Chr. in Jerusalem regierte, war wegen des schlechten Wassers,, das dem Volke jener Stadt geliefert wurde, sehr besorgt. Er liess daher bei den Toren der Stadt einen grossen Behälter anlegen, der mit Wasser aus verschiedenen Quellen in mehr oder weniger grosser Entfernung gespeist wurde. Zuerst schien sein Plan unmöglich, da zwischen Jerusalem und den Quellen, aus denen das Wasser entnommen werden sollte, eine hohe Hügelkette lag, über die man das Wasser nicht leiten konnte. Man musste also durch den festen Fels für das Wasser einen Weg öffnen. Eins der Sirah-Manuskripte aus dieser Zeit berichtet darüber: „Hiskia befestigte seine Stadt, indem er Wasser dahinbrachte, und er durchbohrte den festen Fels mit Bronze, und er sammelte das Wasser in einen Behälter." Tatsächlich hat man vor etwa 15 Jahren in der Nähe der heiligen Stadt eine offene Röhrenleitung gefunden, die aber von einem Vorgänger Hiskias angelegt zu sein scheint. Das beweist deutlich eine Inschrift in alten hebräischen Schriftzeichen, die man bei Jerusalem gefunden hat, und die im Museum zu Konstantinopel aufbewahrt wird. Diese Inschrift lautet in der Uebersetzung: „Die Durchbohrung ist beendet. Als die Spitzhacke des einen noch nicht gegen die des anderen geschlagen hatte, und während zwischen beiden eine Entfernung von noch drei Ellen war, konnte man durch den trennenden Felsen hindurch hören, wie ein Mann den anderen rief. Und am letzten Tage der Durchbohrung trafen die Häuer Picke auf Picke. Die Höhe des Felsens über den Köpfen der Bergarbeiter betrug hundert Ellen. Dann flöss das Wasser über eine Länge von 1200 Ellen in den Behälter." Auf Grund neuer Forschungen hat man nun diesen Vorläufer des Simplontunnels genau identifizieren können; es soll der Shiloatunnel sein, durch den Wasser aus einer Quelle nach dem Osten Jerusalems gebracht wurde und sich in den in der Bibel erwähnten Teich Shloa ergoss. Diese Wasserleitung ist 360 Ellen lang. Die Entfernung zwischen den beiden Tunnelmündungen beträgt auch nur 300 Ellen, ein Beweis, dass die Arbeit in einer nicht ganz geraden Linie ausgeführt wurde. Das war zweifellos eine Folge der Schwierigkeiten, auf die die Ingenieure bei ihrer Aufgabe stiessen, deren Lösung für die damalige Zeit eine wirklich wunderbare Leistung war. Dass die Arbeit von beiden Seiten des Tunnels aus begonnen wurde, beweist nicht nur die Inschrift, das beweisen auch die noch sichtbaren Spuren der Bohrer, Spitzhacken usw., die alle nach entgegengesetzten Richtungen gehen. Die Richtung des Tunnels wurde während seines Baues mehreremal geändert; denn man sieht mehrere kurze Galerien, die augenscheinlich aufgegeben wurden, als man bemerkte, dass die Arbeit sich von dem geraden Wege entfernte. Die Sohle des Tunnels ist mit grösster Sorgfalt ausgeführt, und die Arbeiten sind je nach der Härte des Felsens 5/8 Elle bis eine Elle bieit und 3—9 Fuss hoch. Im Lichte der modernen Ingenieurwissenschaft drängen sich die Fragen auf: Wie haben die Ingenieure jener alten Zeit die Richtung abgemessen, und wie erkannten und verbesserten sie ihre Richtungsfehler? Was für Werkzeuge gebrauchten sie zur Ausführung einer Arbeit, die in einem Zeitraum von 2500 Jahren nicht ihresgleichen hatte? Verantwortlich für den redaktionellen Teil von „Altneuland" Dr. S. Soskin, Berlin. Druck von Pa ss & Gar 1 eb G. m. b. H., Berlin W. 35, Steglitzerstr. 11.

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