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Altneuland · 1906-01-01 · Heft 1 (Januar 1906) · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 1 (Januar 1906)
Article
[Rezension] / Blau
Date
1906-01-01
Page
Seite 29 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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— 29 — wenn auch, nur in Grundrissform, behandelt. Was er bringt, genügt aber durchaus, uns die staatsrechtlichen Verhältnisse der Türkei, von denen wir bisher nur wenig wussten, vor Augen zu führen. Wer tiefer eindringen will, wird dies an der Hand der Literaturangaben Albrechts unschwer tun können. Den reichhaltigen Inhalt des Alb recht sehen Grundrisses in einer Besprechung wiederzugeben, ist nicht möglich. Wir behalten uns jedoch vor, einige besonders wichtige Kapitel aus dem osmanischen Staatsrechte auf der Grundlage des vorliegenden Buches in dieser Zeitschrift ausführlicher zu behandeln. Dr. jur. Blau, Berlin. VERMISCHTES. Das lateinische Patriarchat zu Jerusalem. Die katholische „Kölnische Volkszeitung" bringt in ihrer Nummer vom 15. Dezember 1905 einen sehr interessanten Artikel, der unseren Lesern den Einblick in die Verhältnisse der einzelnen christlichen Bekenntnisse in Palästina gewährt. Die viel umstrittene Frage des französischen Patriarchats über die Katholiken des Orients eriähit in ihm eine spezielle Behandlung, die auch uns viel Wissenswertes bietet. Wir bringen diesen Artikel hier im Wortlaut und verweisen auf unsere Ausführungen über diese Frage in unserer Nr. 1, 1905. Die „Kölnische Volkszeitung" lässt sich von einem orientalischen Prälaten schreiben: „Seit dem 24. Januar 1095 ist der altehrwürdige Bischofsstuhl des h. Jakobus verwaist. Sowohl in Jerusalem als auch in römischen Kreisen sind hochgestellte französische Geistliche wie Laien an der Arbeit, irgendwie Einfluss auf die Besetzung auszuüben. Es ist ja nicht das erste Mal, dass von interessierter französischer Seite in rücksichtslosester Weise eine solche Einmischung versucht wird. In lebhafter Erinnerung sind noch die Intrigen, mit denen man den Patriarchen Piavi wegen seiner angeblich Frankreich abgeneigten Gesinnung verfolgte. Bis in die letzten Tage seiner Krankheit müsste dieser hochverehrte Dulder, nachdem seine Abberufung nicht erreicht worden war, diese Angriffe erfahren. „Das eine ist sicher," so heisst es in einer an denselben gerichteten Zuschrift, „der Nachfolger des Patriarchen wird ein Priester von französischer Herkunft und Denkweise sein." Man mutet auch jetzt noch dem Papste zu, aus rein politischen Gründen Frankreich zuliebe einen französischen Prälaten zu ernennen. Nicht die Spur eines kirchlichen Interesses wird dargetan, nur die sogenannten „Privilegien" Frankreichs sollen dies verlangen. Mit der grössten Akkuratesse hält man gegenwärtig von jener Seite auf die genaue Beobachtung auch der den Konsularbeamten gewährten Vorrechte, während doch Frankreich seit Jahren sich an seine Verpflichtung gar nicht hält. Man denke nur an die Vorgänge der letzten Jahre in Bethlehem und Jerusalem, wo ein Franziskanerpater, der Vertreter des Kustos und zudem ein Franzose von Geburt und französischer Staatsbürger, sozusagen unter den Augen des Gerenten des französischen Generalkonsuls niedergeschlagen wurde, und Frankreich rührte keine Hand für ihn, Hess vielmehr die Uebeltäter straüos ausgeben. Weil Russland die Schutzmacht der Schismatiker ist, so schweigt die lateinische Schutzmacht Frankreich.

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