Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Article
- Die Levante als Kapitalanlagemarkt [Nachricht]
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 368 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2266000-2266015-2266026--1463-2267932- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 368 — Kapital in seinen Betrieb stecken, wenn er in die Höhe kommen will. Diese Kapitalien zu beschaffen, ist Sache des Staates und der Selbsthilfe der Bauernschaft. Ein weiterer Uebelstand, der dem wirtschaftlichen Aufschwünge entgegensteht, ist der Mangel an Arbeitskräften. Weite Gegenden sind nur spärlich bevölkert, so dass es an den nötigen Händen fehlt. Vielfach wird diese schwache Bevölkerung durch Abwanderung im Frühjahr und Auswanderung noch mehr verdünnt. Die Erwerbsverhältnisse sind auf dem Lande vielfach so kärglich,, dass viele in der Fremde, wenn auch nur den Sommer über, ihr Brot verdienen müssen. Je mehr indes die Verkehrswege ausgebaut werden und die wirtschaftliche Entwickelurjg vorwärts geht, desto besser werden auch die Lebensverhältnisse der Bevölkerung werden. Die ottomanische Regierung beispielsweise lässt essich angelegen sein, in unbewohnten Gegenden, wie jetzt längs der Hedschasbahn, mohammedanische Auswanderer anzusiedeln, welche tüchtige Ackerbauer sind. Da sie aus ihrer alten Heimat auch bessere Arbeitsmethoden mitbringen, wirken sie auch als Lehrmeister für die angesessene Bevölkerung, die sich nur schwer von ihrer alten Arbeitsweise losreissen kann. Die Regierung kann durch Bestellung von landwirtschaftlichen Wanderlehrern, Errichtung von Musterwirtschaften, Verbesserung des Unterrichts usw viel zur technischen Ausbildung der Bauern beitragen. Aber noch eins ist notwendig, soll sich die Volkswirtschaft in der Levante heben: die eifrige und umsichtige Mitwirkung der Staatsverwaltung. Das fremde Kapital geht mit Vorliebe dorthin, wo es — abgesehen von der Sicherheit.— das grösste Entgegenkommen findet, d. h. wo man ihm bei seinem Anlagesuchen die geringsten Schwierigkeiten macht. Die ottomanische Regierung steht dem fremden Kapital im allgemeinen freundlich gegenüber, aber die untergeordneten Stellen zeigen oft einen Uebereifer, der nicht geeignet ist, fremdes Kapital herbeizuziehen. Eine neue deutsche Auslandsbank für den Orient. Wie uns von beteiligter Seite bestätigt wird, haben die Dresdner- Bank in Gemeinschaft mit dem A. Schaaffhausenschen Bankverein und der Nationalbank für Deutschland eine neue Aus^ndsbank, und zwar für den Orient, gegründet. Die von der Banque Nationale de Grece und der Nationalbank für Deutschland gegründete „Oiientbank" wird ihre Tätigkeit in Zukunft hauptsächlich auf das griechische Geschäft beschränken und ihre Konstantinopeler Niederlassung^ auf die neue Bank übertragen. Das Verhältnis der Orientbank zu der Deutschen Palästina - Bank wird durch die Gründung des neuen Instituts nicht berührt.. Projektierte Unternehmungen in Mesopotamien. Das deutsche Konsulat in Bagdad spricht sich in nachfolgender Weiseüber die Willo ck'schen Projekte aus. Von Interesse ist auch das Projekt einer Fahrstrasse zwischen Damaskus und Bagdad. Mesopotamien scheint das Land der Zukunft für mancherlei Unternehmungen grossen Massstabs Werden zu sollen. Nachdem schon der Ausbau der geplanten Bagdadbahn die Öffentlichkeit längere Zeit beschäftigt hat, bilden gegenwärtig den Gesprächsstoff andere Kulturwerke von kaum minderer Bedeutung. Obenan steht der Bewässerungsplan des englischen Wasserbauingenieurs Sir William Willcocks, welcher die Irrigation des Nils mit so durchschlagenden*