Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- Die Zuckerindustrie Ägyptens [Nachricht]
- Date
- 1905-10-01
- Page
- Seite 319 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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— 319 — Die Zuckerindustrie Aegyptens heflndet sich seit einiger Zeit ganz in den Händen der „Societe Generale des Sucreries et de la Raffinerie d'Egypte", welche danach strebt, durch Ausbreitung der Anpflanzungen und Vermehrung ihrer Raffinerien den gesamten Bedarf des Landes decken zu können. Vorläufig sind die Verhältnisse noch ganz eigentümliche, da Aegypten rohen Rohrzucker exportiert, aber auch Rohrzucker und raffinierten Zucker importiert. Vom 1. Januar bis 31. März d. Js. betrug die Einfuhr von rohem und raffiniertem Zucker 9700 Tonnen im Werte von 122 000 Pfd. Sterling gegen nur 3300 Tonnen in demselben Zeitraum des Jahres 1904. An der Einfuhr waren Russland mit 69 000, Oesterreich mit 14 000 Pfd. Sterl. beteiligt. Die Ausfuhr von Rohrzucker betrug vom 1 Januar bis 31. März 1905 13 200 Tonnen im "Werte von 174 000 Pfd. Sterl. gegen nur 1900 Tonnen in demselben Zeitraum 1904. Die Ausfuhr richtete sich vornehmlich nach der Türkei (35 600 Pfund) und nach England und Malta (22 600 Pfund). Bekämpfung der Wanderheuschrecke in Rumänien. In den Donauländern ist die Heuschreckenplage eine der schwersten Schädigungen der dortigen Landwirtschaft, die trotz aller Massnahmen der Regierung nicht zu unterdrücken war. Erst infolge eines gemeinsamen Vorgehens der rumänischen und russischen Regierungen im Jahre 1886 gelang es, wie der Landwirtschaftliche Sachverständige in den „Mitteilungen der Deutschen Landwhtschaftsgesellschaft" berichtet, die Heuschrecken derartig zu vernichten, dass sie in Rumänien nur noch vereinzelt, jedenfalls nicht mehr in verwüstender Weise auftraten. Die Heuschrecke lagert ihre Eier paketweise ab: in einem solchen Paket sind je etwa 30 bis 90 Eier vereinigt*). Das Tier vergräbt sie mit seiner langen Legeröhre in lehmigem Boden in einer Tiefe von 3 cm, in sandigem Boden 5 bis 6 cm tief. Für das Sammeln derartiger Pakete werden Preise ausgesetzt, immerhin hat dieses Verfahren keine durchschlagenden Erfolge gehabt. Dagegen hat sich das Zusammentreiben der nicht geflügelten Heuschreckenlarven in Gräben recht gut bewährt. Die von den Heuschrecken besetzten Gebiete werden durch Soldaten mit langen Gräben umzogen und auf der Grabensohle 40 cm tiefe Fanglöcher angelegt. Dann machen die Soldaten durch Schreien, Trompeten, Trommeln usw. einen furchtbaren Lärm; die aufgescheuchten Tiere flüchten scharenweise in die Gräben, die zu breit sind, um von ihnen übersprungen werden zu können, und in höchstens 5 Minuten ist ein Graben von 45 cm Breite und 70 cm Tiefe mit wimmelnden Heuschreckenschwärmen bis zum Rande gefüllt. Nun werden Petroleumrückstände darauf gegossen und die ganze Masse in Brand gesteckt. Dies wird so lange wiederholt, bis die Heuschrecken Flügel bekommen. Dies Verfahren hat sich, wie gesagt, recht gut bewährt. Die Hamburg—Amerika-Linie liat in Palästina auf der Route von Jerusalem nach Nazareth und Tiberias zwei in besonders schöner Lage befindliche Hotels gegründet und zwei weitere schon vorhandene Hotels vergrössern lassen, damit in Zukunft die hochinteressante, aber unter den bisherigen Verhältnissen sehr kostspielige und beschwerliche Reise von Jerusalem nach Damaskus modernen Ansprüchen gemäss ausgeführt *) Vprgl. den Artikel von Marinest ab sarzt a.D. Dr.L. Sander „Die Wanderheuschrecke .und ihre Vernichtung" in No. 10 und 11 unserer Zeitschrift 1904. D. Red.