Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- Vom amerikanischen Orient
- Date
- 1905-10-01
- Page
- Seite 290 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 290 — Der amerikanische Einfluss im Orient ist nicht alten Datums. Ein Jahrzehnt zurück ist in den Konsulatsberichten, gleichviel, ob britischen, französischen oder deutschen, von den Vereinigten Staaten noch nicht die Rede. Aber schon Mitte der 90 er Jahre gelangen kurze Warnungssignale: „Amerikanische Agenten haben Nägel angeboten/4 kommen aber neben den grossen deutschen und belgischen Nägellieferungen noch nicht in Betracht. Oder: „Amerika hat den ägyptischen Bahnen Offerten gemacht." Oder: „Amerika versucht Bier einzuführen." Oder: „Amerika bietet Petroleumöfen an", usw. Mancher hat wohl darüber gelächelt — aber siehe da. Auf der Hochebene Beka'a, die sich vom Libanon zum Antilibanon erstreckt, sind amerikanische Pumpwerke und Dreschmaschinen in Tätigkeit. Die Lokomotiven in Palästina stammen aus Philadelphia. Ebenso die meisten Lokomotiven und Wagen der ägyptischen Eisenbahnen. In Smyrna werden jährlich für viele Tausend Dollar amerikanische Nähmaschinen ausgeladen, und die landwirtschaftlichen Geräte, die in Kleinasien und auf den Inseln immer mehr in Gebrauch kommen, sind fast ausschliesslich amerikanischen Ursprungs. Gleichzeitig befreien sich" die Amerikaner beim Bezug orientalischer Waren vom Zwischenhandel. Aleppowolle, orientalische Möbel, Teppiche, Süssholz kaufen sie nicht mehr in Marseille oder London, sondern direkt in Smyrna und Aleppo, Beirut und LIaiffa. Schon im Jahre 1900 ist Amerika „der Hauptlieferant von Nägeln nach Syrien", hat es verstanden, „sein Bier bei den Eingeborenen beliebt zu machen", und 1901 berichtet der englische Konsul aus Kairo, dass mehr als 3/4 alles rollenden Eisenbahnmaterials aus Amerika gekommen ist. Diese Erfolge sind besonders deshalb bewundernswert, weil schon seit langen Zeiten fast alle europäischen Grossstaaten im Orient missionieren, kolonisieren und dort von altersher französische Kongregationshäuser, englische Seminare und deutsche Schulen in Fülle bestanden. Moralisch gehörte jenes Land schon den europäischen Kulturvölkern, als plötzlich die amerikanischen Unternehmungen zu einer überragenden Stellung emporwuchsen. Wie ist diese Erscheinung zu erklären? Professor Bernhard sagt: „Zu erklären ist der Erfolg der Amerikaner nur aus der Ueberlegenheit ihrer eigenartigen Missionsmet ho-de; diese Methode muss