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Altneuland · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. Seite 286

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Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Baumwollkultur in Mesopotamien [Nachricht]
Date
1905-09-01
Page
Seite 286 (sequence 2)
Language
German
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— 286 — zu hören, was der deutsche Konsul in Bagdad über die Baumwollkultur in Mesopotamien mitteilt. Er schreibt in seinem letzten Jahresbericht: Von hohem Interesse für die Ausfuhr Bagdads ist der Versuch, die mesopotamische Baumwolle an die europäischen Verbraucher gelangen zu lassen. Die erste Probe hat zur Folge gehabt, dass die Abnehmer sich zu weiteren, grösseren Versuchen entschlossen. Das Erzeugnis ist zwar vielleicht der Beschaffenheit nach nicht ganz in eine Reihe mit der ägyptischen oder amerikanischen Baumwolle zu stellen, aber immerhin herrscht in den sachverständigen Kreisen durchaus die Ansicht vor, dass die Anlage grösserer Pflanzungen überall, wo einigermassen günstige Boden- und Berieselungsverhältnisse hier bestehen, in Zukunft ausser Frage stehen und grcssten Erfolg versprechen werde. Die Baumwollpflanzungen in Mesopotamien stecken gegenwärtig allerdings noch in den Anfängen und erzeugen gerade das, was für den Verbrauch im Lande selbst nötig ist. Das Ausland hat aber infolge der sehr hohen Preise sich nach Gebieten umsehen müssen, welche von dem Einflüsse der amerikanischen Trusts noch unbeiührt geblieben waren, und wird auch in Zukunft offenbar sich noch weiter ganz besonders mit Mesopotamien beschäftigen. Die Bodenverhältnisse in Mesopotamien liegen für den Anbau von Baumwolle ausserordentlich günstig. Nur mangelt es im Sommer an Niederschlägen, und es würde deshalb eine künstliche Bewässerung für etwa angelegte grosse Pflanzungen in Frage kommen müssen. In der Bewässerungsfrage liegen die einzigen Bedenken, welche möglicherweise ein Gedeihen angelegter Pflanzungen nicht ganz zweifellos erscheinen Hessen; anderseits aber wird die Berieselung solcher Anlagen den Pflanzern gerade hier wieder sehr leicht gemacht, da meiienweite Strecken längs des Euphrats und Tigris jetzt noch brach liegen, die auf die einfachste Art auf eine gewisse Strecke landeinwärts hin mit Wasser versorgt und also dem Zwecke der Baumwollpflanzung ohne Mühe nutzbar gemacht werden könnten. Bewässerung in warmen Ländern. Unzweifelhaft ist die Bewässerungsfrage auch für Palästina von allergrösster Bedeutung. Speziell der Süden, der an Wasser verhältnismässig arm ist, und ganz besonders die Sinaihalbinsel mit El-Arisch können ohne künstliche Bewässerung nicht in Kultur genommen werden. Aber auch für das übrige Palästina kommt für manche Obst- und für die Gemüsekultur künstliche Bewässerung in Betracht. Die Behandlung der Bewässerungsfrage in anderen Ländern, besonders aber in Aegypten, ist für uns von grossem Interesse. Es mögen daher hier einige Mitteilungen über Schritte gemacht werden, die zur Förderung der Bewässerungsanlagen in verschiedenen Ländern unternommen werden: Nilregulierung. Die ägyptische Regierung plant eine Fortsetzung der grossen Arbeiten an der Nilregulierung, welche das Land mehr und mehr umgestalten werden. W. E. Garst in, der die Verwaltung der öffentlichen Arbeiten in Aegypten leitet, und dem das Land grosse Bewässerungsarbeiten, neue landwirtschaftliche Bahnen und die grossen Reservoirs in Assuan verdankt, hat eine grosse Reise unternommen, deren Frucht ein zweites Arbeitsprojekt ist, welches bereits die Billigung des englischen Vertreters gefunden hat. Dieser Plan umfasst 1. eine Reorganisierung des ganzen Flusssystems des Nilbassins, hauptsächlich mittels grosser

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