Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Ausfuhr von Eiern aus der Türkei [Nachricht]
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 285 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 285 — Witterungseinflüsse zu schützen. Ihre neueste Massnahme auf diesem Gebiet ist die Anschaffung von 100 neuen Güterwagen grösseren Fassungsraums, die mit doppelter Bedachung und besonderer neuer Ventilationsvorrichtung versehen sind. Seitens aller beteiligten Bahnen wird für eine möglichst schnelle Beförderung der Eiersendungen mittels speziell vorgeschriebener Züge mit direktem Anschluss in den Uebergangsstationen Sorge getragen, insbesondere verkehren auf der Strecke Wien-Passau—Asch äffen bürg fünfmal wöchentlich beschleunigte Extrazüge, wodurch es erreicht wird, dass die Sendungen von Konstantinopel in Mainz, Frankfurt a. M., Köln, Aachen in 7—8 Tagen, in Brüssel, Antwerpen; Rotterdam und London in 9—10 Tagen anlangen. Die gesteigerte Nachfrage seitens der in Konstantinopel tätigen ausländischen Exporteure und die Sicherheit, mit der die Landwirte in Anatolien und Rumelien ihre Ware bei den Einkaufsagenten in den einzelnen Stationen an den Mann bringen und ihr Geld dafür erhalten, wirkt naturgemäss sehr günstig darauf ein, dass der Geflügelzucht in diesen Gegenden von Tag zu Tag eine erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet wird. Der fragliche Export ist sicher sehr entwickelungsfähig, zweifellos ist es aber auch, dass derselbe heute noch nicht so umfangreich und einträglich ist, dass mehrere grössere, auswärtige Firmen sich in dem Geschäfte Konkurrenz machen könnten, ohne sich selbst Schaden zuzufügen und damit auch den ganzen Export an sich zu gefährden. Auch ist das hier fragliche Geschäft nicht ohne Gefahren. Weiter kommt in Betracht, dass der Absatz der Eier in Deutschland, Belgien und England durch die von Russland, Rumänien und Ungarn ausgehende Konkurrenz und dass die Eierbeschaffung in Anatolien durch die Konkurrenz derjenigen bedroht ist, welche daselbst für den Konstantinopler Lokalkonsum und für den Absatz zu Schiff nach Marseille einkaufen. Die Konkurrenzverhältnisse sind um so gefährlicher, als die Eierpreise sowohl beim Einkauf als auch beim Verkauf je nach der Saison und nach dem Umfange der Produktion und des Bedarfs sehr erheblichen Schwankungen ausgesetzt sind. Der Einkaufspreis in Anatolien schwankt zwischen 21/2 und 5 Centimes (2 bis 4 Pf.), der Verkaufspreis auf den mitteleuropäischen Märkten zwischen 4 und S1/2 Centimes (4 bis 6A/2 Pf.) Pr0 Stück. Dabei kann es leicht vorkommen, dass eine Baisse beim Verkauf in Deutschland oder in England (infolge der Konkurrenz der russischen, rumänischen und ungarischen Eier) mit einer Hausse beim Einkauf in Anatolien, infolge der Konkurrenz für den Export nach Marseille oder für den Lokalkonsum von Konstantinopel, zusammentrifft. Es notierten z. B. Ende April d. Js. russische Eier in London 70 Frcs. pro Kiste, während gleichzeitig die anatolischen Eier loco Konstantinopel 68 bis 70 Frcs. pro Kaste kosteten. So kann es geschehen, dass der Eierexport aus der Türkei zeitweise sehr erschwert oder ganz unmöglich gemacht wird. Baumwollkultur in Mesopotamien, Angesichts der von deutscher Seite unternommenen Versuche, den Baumwollbau in der Ebene von Adana auszudehnen, dürfte es allgemein interessieren