Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 8 (August 1905)
- Article
- Die Kultur von Oelpflanzen [Nachricht]
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 255 (sequence 2)
- Language
- German
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— 255 — zu liefern imstande sind, teils kultiviert (Eukalyptus, Zitronen usw.), teils wild (Lavendel und andere) vorkommen, so ist die Frage nach der Herstellungvon ätherischen Oelen für uns eine sehr wichtige. „Schon seit geiaumer Zeit tauchten in den einzelne^ Fachpressen aller Industrie-Länder Betrachtungen darüber auf, ob das Eukalyptu s-Oel nicht mehr, als es bisher geschehen ist, verwendet werden könne. Sonderlich England hat diese Frage lebhaft erörtert, aber zu keinem entscheidenden Urteil gebracht, bis jetzt Australien der Angelegenheit näher zu treten scheint. Da einstweilen sehr viele Fälschungen als Eukalyptus-Oel vorhanden sind, so hat man in Australien beschlossen, ein grosses Unternehmen zu gründen, der Gewinnung des Eukalyptus- Oels gewidmet und dahin arbeitend, nur erstklassige Eukalyptus-Oele zu schaffen. Je nach der Beschaffenheit von Blättern, Blüten und Baum ist das Eukalyptus- Oel mehr oder minder wertvoll, und das, was man bis dahin gewonnen hat, war vornehmlich für pharmazeutische Zwecke geeignet. Das sogenannte Eukatyptus- Globulus-Oel ist das wertvollste, und es soll daher auf dessen Gewinnung vorerst alle Aufmerksamkeit verwendet werden. Wenn man dies in Australien durchsetzen kann, so wird England natürlich den Haupt-Gewinn daraus ziehen und erst das, was es nicht mehr braucht, an das übrige Ausland abgehen lassen. Eine ähnliche, grosse Umwälzung will Ceylon mit seinem Zitronell-Oel erstreben, Die gesamte Industrie ist mit gefälschten oder minderwertigen Zitronell-Oelen derart überschwemmt, dass dasjenige Land naturgemäss einen Schlager bringen wird, welches ein absolut reines vollwertiges Zitronen-Oel liefert. Ceylon sieht einstweilen in West-Indien und in Java seine ernergischsten Konkarrenten in der Zitronell-Oel-Frage, doch genügt eine einzige Missernte dieser Länder, um Ceylon, so, wie die Zitronell-Oel-Industrie dort geplant wird, als Siegerin hervorgehen zu lassen. Ueberhanpt hat England in einem Teile seiner ganzen und halben Kolonial- Länder recht unangenehme Konkurrenten. In Kanada z. B. fabrizieren die schlauen Kanadier vorzügliches balsamisches Oel, das in der Parfümerie, wie in der Pharmazeutik gleich lebhaft verwendet wird und noch eine grosse Zukunft hat. Gleichzeitig hat dort ein grosser Schwindel Platz gegriffen, indem man ganz gewöhnliche Mixturen, deren Hauptbestandteil gewöhnliches Rosin ist, als feinstes balsamisches Oel verkauft. Dieser Schwindel ist so weit gediehen, dass man heim Verkaufen und Versandt von Kanada aus ausdrücklich bemerkt; „echtes balsamisches Oel" und „balsamisches Oel". Wie es scheint, will man sich also auch in Kanada mit dem „Synthetischen" abgeben. Sehr gewinnbringend und verbreitet ist der Schwindel in Lavendel-Oel. Wenn auch ein grosser Teil des sogenannten Lavendel-Oeles Rosmarin-Oel ist oder ein anderes zusammengestelltes, aber durchaus nicht schlechtes Erzeugnis, so ist es doch immerhin kein echtes Lavendel-Oel und verdient diesen Namen nicht. Echtes Lavendel-Oel wird immer seltener; und es ist sehr wohl zu verstehen, dass es ganz unmöglich ist, dass alles das, was heute als Lavendel-Oel verkauft wird, auch wirkliches Lavendel-Oel ist. Alljährlich wird aus Spanien eine grosse Menge sogenannten Lavendel-Oeles nach den fernsten Ländern versandt, um von dort aus als echtes Lavendel-Oel, als exotisches Erzeugnis nach den europäischen Ländern zurückzuwandern. Ein gleicher Schwindel wird übrigens im internationalen Handel mit einem Zitronen-Oel getrieben, das als „Messina-Oel" bezeichnet wird. Angesehen davon,