Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Eine Expedition nach Mesopotamien und Südpersien [Nachricht]
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 159 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- 159 — Eine Expedition nach Mesopotamien und Südpersien. Zur Entsendung einer wissenschaftlichen Expedition nach Mesopotamien und Südpersien hat sich kürzlich in Berlin und München ein Ausschuss gebildet dem die nötigen Mittel teils durch Zeichnungen schon zugesagt wurden, teils noch aufgebracht werden sollen. Die Ziele der Expedition werden vorwiegend geographische und ethnographische sein. Die Führung der Expedition hat der durch frühere Touren mit den Landesverhältnissen der Türkei vertraute Forschungsreisende Dr. Hugo Grothe zu übernehmen sich bereit erklärt. Yemen. Dieses jetzt vielgenannte Land dürfte unsere Leser gewiss sehr interessieren. Wir bringen darum eine Schilderung desselben, die wir dem Wiener „Vaterland" entnehmen. Das Gebiet von Yemen, wo jetzt die Türkei um die Aufrechterhaltung ihrer Macht kämpft, kann kaum eine türkische Provinz genannt werden. Denn diese Landschaft, obwohl mehrmals und zuletzt anfänglich der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts von den Türken besiegt und teilweise besetzt, hat sich ihnen nie vollständig unterworfen. Noch immer steht sie zu grossem Teile unter kleinen feudalen Dynasten einheimischen Ursprunges, und die türkische Herrschaft ist im ganzen und grossen nur eine Art lockerer, durchaus nicht von der gesamten Bevölkerung anerkannter Oberhoheit. Wohl hat die Hohe Pforte Yemen den Titel eines türkischen Wilajets gegeben und es in den 90er Jahren sogar in vier Wilajets geteilt, aber ihre wirkliche Gewalt beschränkte sich nur auf einige befestigte Küstenpunkte, einige Garnisonstädte und drei Etappenstrassen, die sie jedoch nicht immer genügend zu bewachen vermochte. Niemals ist es ihr gelungen, den Unabhängigkeitsgeist auszurotten, der in Yemen nicht geringer ist als im Innern Arabiens, das sich, durch geographische Verhältnisse besser geschützt als das Küstenland am Roten Meere, bis heute volle Selbständigkeit bewahrt hat. Yemen ist ein uraltes Kulturland mit glänzender Vergangenheit — das Saba des Alten Testaments, dessen Königin nach Jerusalem zog, um Salomons Weisheit zu ergründen. Es war damals und noch lange nachher einer der reichsten, gebildetsten, blühendsten Staaten der Erde. Den Römern, welche die nördlichen Küstengegenden Arabiens am Roten Meere unterwarfen, gelang es nicht, ihre Herrschaft in Yemen zu befestigen. Ein Feldzug, den Aelius Gallus unter Kaiser Augustus nach Yemen unternahm, misslang vollständig. Nach der Zerstörung Jerusalems flüchteten viele Juden nach Yemen, und mit ihnen kam auch das Christentum, das sich stark ausgebreitet hatte, jedoch hinter dem Mosaismus zurückstand, als der Mohammedanismus seinen siegreichen Einzug hielt. Die Natur hat Yemen sehr reichlich ausgestattet. Es gedeihen auf seinem Boden die feinsten, kostbarsten Gewürze, und hier ist eine der günstigsten Gegenden zur Kaffeekultur: es wächst der vortreifliche Mocca, die edelste aller Kaffeesorten. Yemens Lage ist dem Handel sehr günstig, und obgleich sein heutiger nicht mehr im entferntesten an den früheren Umfang hinanreicht, hat es doch noch beträchtlichen Anteil an dem Güteraustausche der benachbarten, an Natur-