Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Neue türkische Anleihen [Nachricht]
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 151 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 151 — gierung mit der Deutschen Bank über die 60 Millionen Francs-Anleihe ist soeben gezeichnet worden. Aus dem Erlös der Anleihe ist in erster Reihe ein Teil der Kosten für die der Firma Krupp übertragene Lieferung von Kriegsmaterial zu decken; der Rest dient zur Begleichung von schwebenden Schulden und zur Verstärkung der Barmittel des Staatsschatzes. Die Anleihe ist mit 4% verzinslich und innerhalb 56 Jahren zu tilgen. Als Sicherheiten sind der Anleihe überwiesen: 1. der 6% ige Zuschlag auf die durch die Administration de la Dette Publique Ottomane für Rechnung der garantierten Bahngesellschaften und verschiedener Anleihen verwalteten Einkünfte, 2. jährliche Anweisungen auf die Verwaltung der indirekten Steuern im Betrage von je 30 000 £ türk. — Das Nettoerträgnis der ad 1 erwähnten Pfandobjekte belief sich im Durchschnitt der letzten drei Jahre auf 2 400 000 Fr. pro Jahr und übersteigt somit zuzüglich der von der Verwaltung der indirekten Steuern jährlich abzuführenden 30 000 £ türk., die für den Dienst der Anleihe erforderliche Annuität von 2 700 000 Fr. um mehr als 400 000 Fr. Die Verwaltung der vorerwähnten Pfänder erfolgt durch die Administration de la Dette Publique Ottomane, welche die für den Anleihedienst nötigen Summen nach deren Eingang direkt an die Deutsche Bank abzuführen hat. Trotz der beiden Anleihen von 120 Mill. Frcs. bleibt der Regierung doch wenig Bargeld. Da die Ereignisse in Arabien einer Krise entgegentreiben und •die Entsendung bedeutender Streitkräfte dorthin notwendig machen, haben Isset Pascha und Minister Selim Melhame Pascha, zwei Syrier, dem Sultan die Aufnahme einer inneren Anleihe von 5 Mill. Pfund vorgeschlagen. Wie sich dieser dazu stellt, ist noch nicht bekannt. Hoffentlich wird aus diesen Plänen nichts; denn da in der Türkei innere Anleihen Zwangsanleihen sind, würde die gesamte Volkswirtschaft eine schwere Belastung erfahren. Diese leidet ohnehin unter der Unsicherheit der politischen Verhältnisse. In Anatolien liegt das Geschäft ganz danieder, die wehrpflichtigen Männer werden unter die Fahnen gerufen. Nicht einmal der Loskauf wird mehr gestattet, so dass mangels an Arbeitskräften die Feldbestellung leidet. Jeder hält sein Geld zurück und kauft nur das Notwendigste. JUEDISCHE KOLONIEN. Die jüdischen Ackerbaukolonien in Argentinien. Im jüngsten Hefte der Petersburger Monatsschrift „Wjestnik Jewropy" (Europäischer Bote) veröffentlicht der russische Staatsrat Nikolai Krjukow, welcher im Auftrage des Petersburger Ackerbauministeriums das Kolonisationswesen in Amerika studierte, eine ausführliche Studie über die jüdischen Ackerbaukolonien in Argentinien, welche im hohen Masse beachtenswert ist. Staatsrat Krjukow schreibt unter anderem: „Gegenwärtig weist Argentinien vier grosse jüdische Kolonien auf: Clara und Lucienville in der Provinz Entre-Rios, Santa-Fe, etwa 76 Werst nordwestlich von der gleichnamigen Stadt, und Mauricio, 260 Werst westlich von der Stadt Buenos-Aires. Diese Kolonien nehmen einen Flächenraum von 3 59 7 5 8 ha ein, wovon 202 412 kolonisiert sind. Insgesamt sind 1394 Familien (7658 Personen) angesiedelt. In allen Kolonien gab es zum 1. Januar 1904 24 Schulen, die von 776 Knaben und 627 Mädchen besucht wurden. Die Zahl der Bethäuser beträgt 5.