Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Anglo-Palestine Company, Jaffa und Jerusalem [Nachricht]
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 88 (sequence 2)
- Language
- German
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— 88 — Wir entnehmen dem Berichte noch folgende, für die Handelswelt inter. essante Angaben: Jaffa ist eine Handelsstadt, in welcher der Verkehr sehr lebhaft ist. Dennoch war es bei den Kaufleuten nicht Usus, von ihren Klienten Wechsel für die auf Kredit verkaufte Ware zu fordern. Als wir aber die Kaufleute davon in¬ Kenntnis setzten, dass wir Darlehen nicht gewähren werden, sondern Wechsel, zur Diskontierung übernehmen, und nur solche, die den Gegenwert verkaufter Produkte oder Waren repräsentieren, so haben die Geschäftsleute in Jaffa ihr Handelssystem geändert und verkaufen ihre Ware auf Kredit gegen auf feste Termine ausgestellte Wechsel, die sie zur Diskontierung oder als Sicherheit auf ihr Spezialkonto übergeben. Ausser den Wechseln gibt es in Jaffa noch eine Art Handelspapiere, und zwar Kaufscheine über in gewissen sicheren Niederlagen deponierte Ware. Gegen solche Kaufscheine werden auch Darlehen an Kaufleute gewährt. Ganz anders verhält es sich in Jerusalem, wo der Handel sehr gering ist. Der Krämer oder kleine Kaufmann verkauft seine Ware oder Produkte nur äusserst selten gegen Wechsel. Aus dem Grunde gibt es in Jerusalem nur wenig Material zum Diskonto. Ausserdem befindet sich in Jerusalem, im Verhältnis zum Orte, viel Kapital in den Händen von kleinen Rentiers, die keine Geschäftemachen wollen und es vorziehen, ihr Geld gegen kleine Zinsen zu verleihen. Die Baak trug viel im verstrichenen Jahre zur Entwickelung des Geschäftslebens im Lande bei, besonders geschah dies durch Beleihungen von Waren, wie Petroleum, Weizen, Holz etc. Ebenso wurden Frachtbriefe für exportierte und importierte Waren beliehen. Auch auf diesem Gebiete ist die Haupttätigkeit in Jaffa, dem Zentrum der Export- und Importgeschäfte des grösseren Teiles Palästinas. Das Depositengeschäft hat sich in Jaffa bedeutend vergrössert. Hinsichtlich des Umstandes, dass in Jaffa nur sehr wenig brachliegendes Geld vorhanden ist, kann die Ziffer der bei der Bank deponierten Gelder als vollständig befriedigend angesehen werden. In Jerusalem dagegen sind wir m dieser Beziehung,, trotzdem sich dort viel flüssiges Kapital befindet, noch weit vom gewünschten Ziele entfernt. Die Ursache davon ist, dass die christlichen Bewohner Jerusalems mit ihren sämtlichen reichen Anstalten ihr Geld im Credit Lyonnais und der Deutschen Palästina-Bank deponieren. Es verbleiben also für uns nur unsere. Volksgenossen und die Mohammedaner. Die Bank hatte am Anfang ihrer Tätigkeit und hat auch noch jetzt besondere Schwierigkeiten in bezug auf die Beschaffung eines geeigneten Personals. Die Bank in Jaffa hat jetzt zwölf Angestellte, und die in Jerusalem acht, Diener nicht mitinbegriffen. Fast alle, mit Ausnahme von zwei, waren im Lande ansässig, und fast alle, mit Ausnahme von zwei bis drei, waren dem Bankgeschäft fremd. Neun von den Angestellten sind junge Leute, die zuerst unentgeltlich als Volontäre gearbeitet haben. Sie mussten an Disziplin gewöhnt und in die Arbeit, eingeführt werden. Die Ueberführung von erfahrenen Leuten aus dem Auslande wäre mit grossen Unkosten verbunden, und es ist an und für sich nicht leicht,, geübte Leute zu bekommen, die geneigt wären, ihre Stellungen aufzugeben, um nach Palästina überzusiedeln. Ganz besonders kommen Sprachkenntnisse für die Beamten in Betracht. Da die Bank ein englisches Institut ist, so muss die Buchführung sowie die Korrespondenz mit England und Amerika englisch geführt werden, mit allen Orientländern französisch, mit Russland, Deutschland, Oester-