Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Eine neue Eisenbahn in Syrien [Nachricht]
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 21 — Gegend zum ersten Mal mit dem Mittelmeer durch einen Schienenstrang verbunden. Von besonderer Bedeutung ist das Gebiet aber speziell auch für die Entwickelung des Baumwollbaues. Die Konzession .wurde der französischen Gesellschaft erteilt, die auch die anderen Eisenbahnen des mittlerer) Syriens gebaut hat und verwaltet, darunter die durch die Hedschasbahn (Strecke Damaskus—Dera'a) sehr geschädigte Linie Damaskus—M'zerib, deren Ankauf durch die türkische Regierung resp. jährliche Entschädigung seitens derselben für die Konzessionsdauer gleichfalls ein Objekt der Verhandlungen in Konstantinopel gebildet hat. Nach der Vollendung der Strecke Hamä—Aleppo wird an dem Landweg nach Palästina nur noch ein kleiner Teil der schon konzessionierten Bagdadbahn, nämlich die Taurusbahn und die Linie Adana—Aleppo fehlen, so dass wir hoffen können, schon in wenigen Jahren eine viel schnellere und sicherere Verbindung mit Palästina zu besitzen. Nach einer Konstantinopeler Meldung der Frankfurter Zeitung wird im Zusammenhang damit über eine Anleihe von hundert Millionen Francs verhandelt, zu welchem Zwecke der alternative Präsident der Dette publique und französische Delegierte LeonBerger gegenwärtig in Paris weilt, um im direkten Auftrage des Yildiz Kiosk mit dem französischen Syndikat zu unterhandeln. Bis auf die Differenz im Kurse soll über alle wesentlichen Punkte ein Einverständnis erzielt sein. Wenn die Anleihe perfekt wird, dürfte ein grösserer Teil für militärische Neubestellungen an Frankreich fallen. Mit Hochdruck werde von kompetenten französischen Faktoren darauf hingearbeitet, das sogenannte deutsche Monopol auf diesem Gebiete um jeden Preis zu brechen. Nach einer späteren Meldung derselben Zeitung gelangte am 21. Dezember in einem Ministerrate diese Frage zur gründlichen Verhandlung; dort begegneten aber die durch den zweiten Palastsekretär Izzet Pascha vertretenen Forderungen des französischen Syndikates betreffs der gleichzeitigen Regelung der Fragen der syrischen Bahnen, des Konstantinopeler Quais und der Lieferung von Geschützen fast einmütigen Widerstand, so dass die Sache noch weit von der definitiven Erledigung entfernt zu sein scheint. Petroleumquellen in Mesopotamien. Die Anatolische Eisenbahngesellschaft hat mit der Zivilliste des Sultans einen Vertrag abgeschlossen, wonach die Gesellschaft die Erlaubnis erhält, mit eigenen Mitteln und auf eigene Rechnung und Gefahr die Naphthagruben der Wilajets Mossul und Bagdad zu erforschen, womit die Befugnis verbunden ist, die hierbei entdeckten Naphtaquellen zu eigenem Nutzen 40 Jahre lang auszubeuten. Von welcher enormen wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung dieser Vertrag ist, mag man aus folgenden sachverständigen Exkursen ersehen. Die „Kölnische Zeitung" schreibt hierüber unter dem 16. September v. J.: Es handelt sich in dem Vertrage um die Quellen, die in den Wilajets Mossul und Bagdad liegen. Dieses Gebiet gehört zu dem weiten Landstriche zwischen dem Kaukasus, der Arabischen Wüste, dem Persischen Meerbusen und dem Hindukusch, wo das Erdöl häufig zutage tritt. Brennende Quellen und Seen sind seit Jahrtausenden bekannt, und seit Jahrtausenden wird westlich des Euphrats Asphalt als Brennstoff benutzt. Eine Ausbeutung dieser Reichtümer hat aber in grösserem Umfange nicht stattgefunden, einerseits der Unsicherheit der Strassen wegen, andererseits wegen geringer Nachfrage in unmittelbarer Nähe der Quellen