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Altneuland · 1904-12-01 · Heft 12 (Dezember 1904) · p. Seite 383

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 12 (Dezember 1904)
Article
Anatolische Bahn [Nachricht]
Date
1904-12-01
Page
Seite 383 (sequence 2)
Language
German
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— 383 — verflossenen Jahren, dabei ist die Nachfrage nach Weizen auf dem Weltmarkt gross xmd der Preis infolge von Fehlernten in einigen europäischen Ländern ein relativ hoher. Auch die von Eskichehir nach Angora abzweigende Stammlinie weist in diesem Jahre ein besseres Ergebnis auf, wenn auch kein so gutes wie die Konialinie; die ersten 17 Tage des September brachten ein Mehr von 53 000 Francs gegenüber dem Vorjahre. Man glaubt, dass diese Besserung bis zum Januar anhalten wird, was mehr als genügen würde, um den Ausfall in der Einnahme des letzten Jahres auszugleichen! Nach englischen Quellen (Standard 29/9) bestellte die Anatolische Eisenbahn letzthin 350 Waggons, 16 Lokomotiven und 60 Passagierwagen. Sehr vorteilhaft für die Gesellschaft sind auch die ihr gehörigen Quais in Haidar-Pascha, wo das aus dem Innern verschiffte Korn, mehrere Tausend Tonnen täglich, in grossen Silos lagert und der Gesellschaft das Lagergeld bezahlt. Russische Neujuden. Bekanntlich gibt es in Russland zahlreiche judaisierende christliche Sekten, die trotz der Unterdrückung seitens der offiziellen russischen Orthodoxie sich von Jahr zu Jahr ausbreiten; weniger bekannt dürfte aber sein, dass in den letzten Jahren Tausende von russischen Bauern wirklich zum Judentum übergetreten sind; wie das offizielle Organ der Missionsabteilung des russischen Heiligen Synod „Mission jorne je Obosrenje" mitteilt, finden sie sich besonders zahlreich im Gouvernement Astrachan. Sie werfen, wie das Blatt angibt, mit dem Christentum gleichzeitig ihr Russentum über Bord und hassen dasselbe wie auch den Zaren; Russland bezeichnen sie als Assur (rückwärts gelesen Russa), zuweilen auch als Babel und Gog'; sie fühlen sich in Russland im Golus und erwarten den Messias, der in Palästina ein grosses Weltreich errichten wird. Viele warten aber nicht hierauf, sondern wandern schon jetzt aus, um sich in Kiemasien und Palästina als Ackerbauer anzusiedeln. In den jüdischen Kolonien in Palästina finden sich schon zahlreiche dieser „Geirim", so in Sedjera und Beth- Dagon, wo ein Drittel der Bevölkerung aus solchen Neujuden besteht, die sogar schon hebräisch als Umgangssprache sprechen sollen. Algiers wachsende Bedeutung als Obst- und Kartoffellieferant geht daraus hervor, dass es allein nach Paris im Jahre 1903 17 Millionen Kilo Frühkartoffeln und 5 Millionen Kilo Trauben versandte, doppelt so viel wie vor vier Jahren. Besonders Kartoffeln gehen dann weiter ins Ausland, bis Stockholm und Moskau, ebenso Frühtrauben. Algier liefert auch massenhaft Aprikosen und Pfirsiche, die aber nicht so fein und saftig sind wie die Pariser. Was Algier und Südspanien für Westeuropa, Tunis und Sizilien für Mitteleuropa bedeutet, das könnte Palästina mit der Zeit für Osteuropa werden; jedenfalls sollten in Moskau palästinensische Produkte mit denen von Algier konkurrieren können. Eine deutsehe Bank im Orient. Von Paris aus wurden kürzlich Gerüchte in Umlauf gesetzt, wonach die Deutsche Bank angeblich beabsichtigen soll, in Aegypten Filialen zu errichten oder sich an einem bestehenden ägyptischen Bankinstitut zu beteiligen oder durch Kommanditierung einer Firma festen Fuss in Aegypten zufassen. Wenn auch alle diese Gerüchte als jeder Grundlage entbehrend dementiert wurden, so beschäftigt sich doch die deutsche Presse angelegentlich mit dies Frage. „Die Post" z. B., die sich guter Beziehungen zur Regierung erfreut, betont vor allem, dass der Schwerpunkt deutschen Interesses in Anatolien liege, einerseits wegen der mit deutschem Gelde gehauten Eisenbahn, andererseits wegen der deutschen Geschäftshäuser in den kleinasiatischen Seestädten; trotzdem sei Konstantinopel

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