Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Das deutsche evangelische Institut für Altertumswissenschaft des heiligen Landes [Nachricht]
- Date
- 1904-12-01
- Page
- Seite 380 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 380 — Theologen entsandt, welche auf Grund dargetaner Befähigung für archäologische Foischung dem Vorsteher als Mitarbeiter zur Seite treten. Neben diesen können b) auch solche junge Theologen entsandt werden, die mit tüchtiger wissenschaftlicher Ausrüstung ein lebendiges Interesse für die biblischen und kirchlichen Altertümer und die Kenntnis des heiligen Landes verbinden und, indem sie ihre biblischen Studien durch örtliche Anschauungen abrunden, geeignet erscheinen, den Ertrag der letzteren unmittelbar für das heimische Kirchenleben fruchtbar zu machen. (Stipendiaten.) Den in Jerusalem ansässigen, sowie gastweise anwesenden evangelischen Deutschen wie auch evangelischen Ausländern, die auf Reisen begriffen sind, ist, sofern sie gehörig legitimiert sind, die Mitbenutzung der Bibliothek des Instituts, sowie die Teilnahme an den öffentlichen Vorträgen und den Lehrausflügen, welche von demselben veranstaltet werden, offen zu halten. Die Ernennung des Vorstehers der Anstalt erfolgt durch den Stiftungsvorstand und bedarf der Bestätigung des Kaisers. Die sachlichen Kosten der Forschungen, insbesondere der Ausgrabungen, werden vom Palästina-Verein übernommen. Die Kosten für Gehalt des Vorstehers und sonstige Generalkosten werden auf die evangelischen Kirchen Deutschlands verteilt. Die Stipendien und Reisekosten der nach Jerusalem entsandten Theologen werden von denjenigen Kirchenregierungen getragen, auf deren Vorschlag die Berufung erfolgt. Ueber die Forschungsreise durch Palästina*) von Dr. Thiers ch (München) und Dr. Hölscher (Leipzig) berichtet das kürzlich herausgegebene Heft No. 23 der Deutschen Orient-Gesellschaft. Die Reisenden schildern darin ihre im Sommer vorigen Jahres im Auftrage der D. O.-G. unternommene Forschungsreise durch Palästina^ deren Zweck es war, an Ort und Stelle zu prüfen, welche Stellen für künftige Unternehmungen in Frage kommen könnten. Die fünf Monate währende Reise führte zunächst von Beirut aus durch das alte Phönizien, dann von Haifa in die Ebene Jezreel, über Tiberias und durch das galiläische Bergland bis zu den Jordanquellen, alsdann im Ostjordanlande durch den Dscholan, die weite Ebene des Hauran und quer über den Dschebel Adschlun zurück ins Westjordanland nach Samaria und Jerusalem, von wo aus ein Abstecher ins Gebirge Juda und eine Rundtour um das Tote Meer über Jericho und durch Moab gemacht wurde; endlich von Jaffa aus durch das alte Philisterland bis zur ägyptischen Grenze und an der Küste zurück nach Haifa. Alle diese Landstriche in ihrer wechselnden landschaftlichen Eigenart, eine schier zahllose Fülle von einzelnen archäologisch wichtigen Ortslagen, Bauwerke und Kunstdenkmäler aus allen Epochen der Geschichte des Landes, das alles zieht, in Wort und Bild lebendig geschildert, an dem Leser vorüber. Da sind gewaltige kyklopische Mauern vorgeschichtlichen Ursprungs, Reste kanaanitischer Ansiedelungen, jüdische Synagogen, griechische und römische Tempel, Theater und Säulengänge, Paläste arabischer Fürsten und feste Schlösser der Kreuzfahrer, deren zum Teil höchst malerische Ruinen in zahlreichen vortrefflichen Abbildungen nach neuen, von den Reisenden selber gefertigten Aufnahmen vorgeführt werden. Ein reicher Altertumsfund wird nach der „Kölnischen Zeitung" vom 11. August aus Jerusalem gemeldet. ZuBal-El-Amud, 300m von den Stadttoren, liegt ein verfallenes Haus, in dessen Umgebung man Kostbarkeiten aus alter Zeit vermutete. Bei den hierauf vorgenommenen Ausgrabungen stiess man auf einen grossartigen, 3 m breiten und 6—7 m langen Mosaikfussboden. Die Hauptfigur darauf ist *) Siehe auch Heft 3 dieser Zeitschrift, Seite 96.