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Altneuland · 1904-12-01 · Heft 12 (Dezember 1904) · p. Seite 378

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Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 12 (Dezember 1904)
Article
Ausgrabungen auf dem Tell Ta´-annek [Nachricht]
Date
1904-12-01
Page
Seite 378 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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— 378 — ARCH AEOLOGISCH ES. Ausgrabungen auf dem Teil Ta'-annek. Die in Wien erscheinende „Zeit" meldet am 15. September: „Man schreibt uns: Die nunmehr abgeschlossenen Ausgrabungen des Prof. Dr. E. Sellin auf dem Ruinenhügel Teil Ta'-annek in Nordpalästina haben, wie wir erfahren, einen glänzenden Erfolg gehabt. In der Burg Ischtarwaschurs, des um das Jahr 1450 v. Chr. in Ta'-annek herrschenden kanaanäischen Fürsten, sind vor allem drei grössere Keilschrifttexte und fünf Fragmente von Tontafeln gefunden worden. Da nun an diesem Orte bereits im Vorjahre vier Keilschrifttexte gefunden wurden, erreicht der Tontafelfund von Ta'-annek jetzt die ganz beträchtliche Zahl zwölf, deren Bedeutung aus dem Umstand erhellt, dass in Palästina sonst nur eine einzige Keilinschrift — die von Lachisch — gefunden wurde. Die heuer ausgegrabenen Tontafeln, die von Dr. Friedrich Hrozny an Ort und Stelle entziffert wurden, machen es sehr wahrscheinlich, dass Ta'-annek um das Jahr 1450 v. Chr. von Megiddo abhängig war; der Fürst des letzteren fordert in einem Brief Ischtarwaschur auf, den Tribut abzuliefern. Auch der zweite der gefundenen Texte ist ein Brief des Fürsten von Megiddo an den von Ta'-annek, während der dritte ein Personenverzeichnis darstellt. Auch archäologisch hat die Expedition die besten Resultate zu verzeichnen. So wurde vor allem die in mehreren Beziehungen interessante Burg Ischtarwaschurs in ihrem Gesamtumfang blossgelegt. Ausserdem wurden auch an anderen Punkten des Hügels Ausgrabungsarbeiten in Angriff genommen, die eine Fülle von Einzelfunden, z. B. Krüge, Vasen, Lampen, Statuetten, Skarabäen, Schmuckgegenstände etc., aus verschiedenen Zeiten ans Tageslicht brachten. Von Interesse dürfte besonders ein komplett erhaltener Goldschmuck aus ältester Zeit sein. Wie die „Deutsche Literaturzeitung" meldet, hat Prof. Sellin abermals eine Reise nach Palästina angetreten. Er beabsichtigt die Ausgrabungen, auf dem Teil Ta'-annek zu einem endgültigen Abschluss zu bringen und zugleich einen passenden Platz für künftige Grabungen zu gewinnen. An der Expedition wird Dr.. Friedrich Hrozny teilnehmen, der die im vorigen Jahre gefundenen keilinschriftlichen Tafeln von Ta'-annek entziffert hat. Unterstützt wird die Expedition von den Grossindustriellen Anton Dreyer und Paul v. Schöller. Wie Prof. W. Neumann, Dekan der theologischen Fakultät in Wien, in einem Vortrage kürzlich mitteilte, kostete die erste vier monatliche Grabung im Frühjahr 1902 50 000 Kronen. Im nächsten Frühjahr folgte eine einmonatliche Grabung. Von den 6 aus verschiedenen Zeiten anscheinend zur Verteidigung des Hügels bestimmten Baulichkeiten stammt die älteste aus alt-kanaanäischer, die jüngste aus arabischer Zeit. Neben den Tontafeln haben namentlich auch die gefundenen Krüge wissenschaftliche Bedeutung. Beiträge zur Kunstgeschichte der alten Synagoge veröffentlicht C. Gurlitt in der „Zeitschrift für christliche Kunst", Heft 6; speziell befasst er sich hierbei mit der syrisch-palästinensischen Kunstgeschichte. Entgegen der bisherigen Ansicht, dass die besten Bauformen daselbst der römischen Kaiserzeit, d. h. dem 2. Jahrhundert und besonders Hadrians Regierungszeit, zuzuschreiben seien meint er, dass die schönsten klassisch stilisierten Bauten schon dem Beginn der Seleucidenzeit zugewiesen werden müssten; in die friedliche Zeit des 2. Jahrhunderts fiele dann eine zweite Blüteperiode. worauf sich der Stil dann langsam orientalisierte und so in den byzantinischen Stil überging.

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