Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Gründung eines jüdischen Kolonisationsvereins für Palästina in Wien [Nachricht]
- Date
- 1904-12-01
- Page
- Seite 377 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2266000-2266001-2266014--0761-2267064- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 377 — durch Beihilfen, stets mit dem Ziele, die wirtschaftliche Selbständigkeit und die volle geschäftliche Unabhängigkeit und eigene Verantwortlichkeit der Ansiedler herbeizuführen; 5. Die Förderung von jüdischen Vereinen, Genossenschaften, Gesellschaften etc., die sich zur Aufgabe setzen, in Palästina und dessen Nebenländern Grundbesitz zu erwerben, zu pachten oder zu bearbeiten, und die ihnen von ihren Mitgliedern oder anderen Personen aus privatwirtschaftlichen, humanitären oder religiösen Motiven zur Verfügung gestellten Mittel dazu benülzen, den Grundbesitz der Bewirtschaftung durch die Genossenschafter selbst, durch jüdische Pächter und jüdische Arbeiter für Rechnung der Genossenschaft oder von jüdischen Einzelbesitzern oder Korporationen zuzuführen oder sonst der Bestimmung der Eigentümer entsprechend zu verwenden und zu verwalten; 6. Ankauf oder Pachtung von Grundstücken in Palästina oder dessen Nebenländern behufs Ansiedlung, ihrer Vorbereitung und Förderung; 7. Förderung des wirtschaftlichen Gedeihens jüdischer Kolonien in Palästina und dessen Nebenländern, namentlich durch Begünstigung des Absatzes der dortigen Boden- und Gewerbeerzeugnisse; 8. Herausgabe von Druckschriften und periodischen Mitteilungen. Die Gesellschaft zur Förderung der deutschen Ansiedlungen in Palästina m. b. H. in Stuttgart hat durch Beschluss des Aufsichtsrats das Stammkapital im Mai auf 45 000 Mk. und im September um weitere 5000 Mk. erhöht, so dass das gesamte Stammkapital jetzt 188 000 Mk. beträgt. Hygienische Massregeln anlässlich der diesjährigen Pilgerfahrt nach Mekka sind insofern getroffen, als die Wasserbehälter in Mekka mit einer Schutzbedachung versehen wurden, wofür 3000 türk. Pfd. ausgesetzt sind, weitere 5000 türk. Pfd. sind der Sanitätskommission, die sich nach Mekka begeben wird, zur Verfügung gestellt worden. Wenn erst die Mekkabahn vollendet sein wird, so werden umfassende Vorsichtsmassregeln gegen die Verbreitung von ansteckenden Krankheiten, wie Cholera und Pest, von Mekka aus noch dringender sein als jetzt. Neue Judenbekehrungsversuche in Palästina. Das Projekt der Gründung einer Judenbekehrungskolonie in einer der Vorstädte Jerusalems ist, wie das Neue Tageblatt in Stuttgart vom 7. Sept. schreibt, einen Schritt vorwärts gekommen. Eine reiche Engländerin, die in Jerusalem lebt, hat in Aussicht gestellt, dem Bauverein hierfür ein Landstück am äussersten Ende der westlichen Vorstadt zur Verfügung zu stellen. „Ob aber diese Bekehrungskolonie grosse Erfolge erzielt, dürfte", Wiedas Blatt schreibt, „schon deshalb zweifelhaft sein, weil die eingeborenen Juden, die seither trotz aller Unterstützungen der Rothschilds und eines Sir Moses Montefiore vielfach in grosser Armut lebten, sich wirtschaftlich zu entwickeln beginnen. Und zwar strafen diese palästinensischen Juden alle diejenigen Lügen, welche die Juden überhaupt als unnütz zum Bauernstand erklären. Trotz aller Schikanen der türkischen Regierung dehnen diese Juden ihren landwirtschaftlichen Besitz in der westlichen Küstenebene immer mehr aus. Und zwar sind sie in der Lage, immer gleich ganz stattliche Güterkomplexe anzukaufen, die sie rationell und mit grosser Energie kultivieren. In erster Linie legen sie sich auf Weinbau, dessen Erträgnisse sie in riesigen Kellereien verarbeiten. Daneben haben sie auch grosse Oel- und Mandelbaumplantagen angelegt, die zwar nicht so schnell wie die Weinanlagen rentieren, aber sehr wertvolle Kapitalanlagen werden. Da der auf den Judenkolonien gewonnene Wein trefflich ist, ersteht den weinbautreibenden schwäbischen Tempelkolonisten eine Konkurrenz."