Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Über die Ethrogzucht in Palästina [Nachricht]
- Date
- 1904-12-01
- Page
- Seite 375 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 375 — Thikwah bildet. Die jüdischen Ethrogprodukte haben bis jetzt noch an den Kinderkrankheiten dieser, grosse Sachkenntnis, Fleiss und Umsicht fordernden Gärtnerarbeit zu leiden gehabt. Die Erträge dieser jüdischen Pflanzungen waren bis nun auch wenig zufriedenstellend, und die Araber behaupteten noch immer den ersten Platz mit ihrer Ware. Mit unendlicher Mühe und grossen Geldopfern haben es heuer die jüdischen Ethrogzüchter dahingebracht, dass ihre Ware derjenigen der Araber gleichwertig wurde und die Konkurrenz mit denselben aufzunehmen vermag. Während es nun noch lange dauern wird, bis die Ethrogzucht in jüdische Hände übergehen wird, wird der Ethroghandel, oder, wie er hier genannt wird, die Ethrogfabrikation, fast ausschliesslich von Juden vermittelt. Und die Benennung „Fabrikation" ist auch vollkommen zutreffend, denn der Ethrog, der vom Baume gepflückt wird, ist noch lange kein Ethrog, der zur Zeremonie verwendet werden könnte. Es fehlt ihm das Ansehen, der „Hidur". Der Ethrog am Baume hat verschiedene kleine Fleckchen, Warzen, ist mit. kleinen Blättchen behaftet usw. Nachdem der Ethrog mit Wachs ordentlich geputzt wurde und die Schönheitsfehler verschwunden sind, wird er nach bestimmten Sorten in die ihm gebührende Reihe gelegt, um dann wohlverpackt in alle Richtungen der Welt verschickt zu werden. Die Schlüsse auf die „rohe Ware" werden bereits im Frühjahre gemacht. Es sind noch kaum einige Blüten auf den Bäumen sichtbar und man sieht schon die „Fabrikanten" mit den Arabern unterhandeln. Der Araber ist schlau, er geht nicht leicht auf den Handel ein, unterhandelt mit verschiedenen Konkurrenten zu gleicher Zeit, die Preise werden auf diese Weise in die Hohe getrieben, bis der raffinierte Araber ohne jedes Risiko den grösstmöglichen Gewinn eingeheimst hat. Die grösseren Fabrikanten und Händler schliessen nämlich die ganze noch ausständige Fechsung der Bäume ab. Das bedeutendste jüdische Ethrogfabrikhaus in Palästina ist die Firma Isak Nachum Low & Comp., dazu kommen ausser den bereits oben erwähnten zwei jüdischen Gärtnereien, die ihre Produkte selbst verarbeiten und absetzen, noch die Firmen Chaim Muter, Gebrüder Schön, Benjamin Jehoschafat usw., alle in Jaffa. Die Ethrogernte erfolgt im Monate Tamus und gegen Mitte des Monates Ab sind bereits alle Aufträge effektuiert, die Ware schwimmt. Im Handel werden verschiedene Ethrog Sorten unterschieden. Obenan steht der „Muwchar" (Extrafein), dann Prima, Sekunda und Tertia, und vor Sukkoth kauft sich jeder Jude, je nach seiner religiösen Ueberzeugung, seinem Geschmacke und seinem Vermögen, eine dieser Sorten von Palästinafrucht — oder auch gar keine . . . Galiläa. Hierüber hielt in Cassel Pfarrer Möller im evangelischen Vereinshause nach eigener Anschauung einen Vortrag, dem wir nach der Casseler Allgemeinen Zeitung vom 23. Oktober folgendes entnehmen: „Das galiläische Land ist reich an landschaftlichen Schönheiten, besonders in dem gebirgigen nördlichen Teil. Der Name Galil bedeutet Kreis; die gleichnamige Provinz war von einem wahren Völkergemisch bewohnt, dessen Hauptbestandteile sich aus Phöniziern, Syrern, Arabern und Griechen zusammensetzten. Die tatkräftigen Bewohner brachten Landwirtschaft und Handel in Galiläa früh zur Blüte. Josephus, ein Sohn dieses Landes, gibt die Bevölkerungsziffer auf 5 Millionen an. Mut und Tapferkeit bildeten die hervorragendsten Eigenschaften des Volkes, das am hartnäckigsten seine Freiheit gegen das gewaltige Römertum verteidigte. In Galiläa war auch der Ursprung der entschiedensten Nationalpartei, der Zeloten."