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Altneuland · 1904-11-01 · Heft 11 (November 1904) · p. Seite 336

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Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 11 (November 1904)
Article
Ernte in Palästina [Nachricht]
Date
1904-11-01
Page
Seite 336 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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— 336 — Die Ernte, die im Mai und Juni stattfand, war im allgemeinen nicht so gut wie im vorhergegangenen Jahre; besonders im.Ostjordanland mit seinen sonst so fruchtbaren Ackerfeldern in den Moabiter Bergen Hess sie zu wünschen übrig da dort der Spätregen sehr spärlich gefallen war. Im Westjordanland hatte ein starker Gewitterregen im April treffliche Dienste geleistet und dem Getreide zu besserem Ertrag verholfen. Die Hauptkorngegenden des Westjordanlandes, die Ebene von Gaza mit ihren Palmenbeständen bis in die Gegend von Ekron und an das Gebirge heran, ferner die Ebene Jesreel, die alte Kornkammer Palästinas und Syriens, waren durch eine Mäuseplage stark heimgesucht. Eben zur Zeit der Weizenernte traten diese Nager in solcher Menge auf, dass sie in einer Nacht weite Strecken stark lichteten. Die Halme Hessen sie stehen, aber die Aehren, und zwar immer die schönsten, bissen sie ab und trugen sie in ihre Löcher. Wenn man nachher ihren Gängen nachgrub, so konnten die Fellachen ganze Kamellasten Aehren denselben entnehmen und heimführen. Ein Mittel zu ihrer Vertilgung war nicht zur Hand. Der probateste Weg zur Sicherung der Ernte war schleunige Einheimsung. Wo Mähmaschinen beschafft werden konnten, war es möglich, dem Schaden mit befriedigendem Erfolg zu begegnen; wo solche, oder genügende Schnitter fehlten, ging sehr viel Frucht verloren. Die Landwirtschaft wurde noch, durch ein weiteres Unglück schwer betroffen, durch eine verheerende Rinderpest, die ihren Verderbensgang durch die ganze westliche Ebene und über das Gebirge hin nahm. Auch in Jerusalem war sie und hat mancherorts einen sehr wertvollen Viehstand völlig vernichtet. Besonders heftig trat sie aber in der Küstenebene auf. Es waren zwar Impfärzte von der Regierung in Konstantinopel hergesandt, um den Versuch zu machen, durch Einimpfung einer angeblich seuchenfest machenden Materie dem Unheil zu steuern; sie erwies sich jedoch als vollständig nutzlos. Viele der armen Bauern und Beduinen haben ihr gesamtes Rindvieh verloren und wissen nun nicht, womit sie im Herbst ihre Felder bestellen sollen. Andere suchten sich dadurch zu sichern, dass sie, als die Seuche in ihre Nähe kam, ihr Vieh um Spottpreise verkauften, um wenigstens etwas zu retten. Das war ein Radikalmittel; aber grosse Verluste erlitten sie dennoch. An manchen Orten trat die Seuche zwei- und dreimal auf und zerstörte Hoffnungen, die man mit gutem Grund haben zu dürfen glaubte. Jetzt ist die Seuche wohl auf dem Gebirge, aber noch nicht in der Ebene erloschen. Der Frauenverein Esrath-Naschim in Jerusalem hat nach seinem neunten Jahresbericht endlich für das von ihm geleitete Asyl für Unheilbare und Geisteskranke ein eigenes Heim erhalten, und zwar am äussersten westlichen Punkt der Stadt an der Chaussee Jerusalem-Jaffa. Das jetzt 30 Kranke beherbergende Asyl, das am 1. März bezogen worden war, wurde am, 3. Mai feierlich eingeweiht. Ausserdem unterstützt der Verein noch arme Wöchnerinnen, Kranke und sonstige Notleidende. Die Ausgaben des letzten Jahres betrugen 27 292,82 Frcs., d. h. 3 932,48 Frcs. mehr als die Einnahmen, welches Defizit durch die grossen Bau- und Installationskosten zu erklären ist. Das Hilfskomitee für die rumänischen Juden in Palästina, das von rumänischen Juden in Deutschland begründet wurde, hat nach seinem Jahresbericht für 1902/03 in Safed eine Volksküche „Beth Lechem Haglili" errichtet, wo innerhalb 13 Monaten 10 726 Mahlzeiten verabreicht wurden. Der Rechnungsabschluss von 1903 balanziert mit 6054,62 M. gegen 4787,83 M. im vorhergehenden Jahre. Der Vermögens stand am 1. Januar 1904 betrug 2407,02 M.

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