Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1904-10-01
- Page
- Seite 317 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 317 — sich Nazareth als Stadt der Mischbevölkerung aussucht, so tut Soden dasselbe* mit Bethlehem, dessen Bewohner, wie er behauptet, „schlechterdings nichts vom Araber, überhaupt nichts Semitisches haben; vielmehr erinnern sie eheran die Norditaliener, grosse, breite, blühende Gestalten, häufig helle Augen, lichtes Haar, Männer wie Frauen bis in die fünfziger Jahre hinein rotwangig, gut gekleidet, Stolz in sich tragend, ein auserlesenes schönes Geschlecht . . . usw. Damals hat dieses Geschlecht in Bethlehem sicherlich nicht gelebt, oder Jesus wäre dann kein Semit, sondern ein Indogermane gewesen". Nun ist aber für jeden, der den Orient kennt — nicht von einem einwöchigen Stangenaufenthalt — und sich nicht durch die Kleidung der Bewohner zu falschem Sehen verleiten läfst, der auffällig jüdische Typus gerade der Bewohner von Nazareth und Bethlehem und ihrer Umgebungen eine bekannte Tatsache. Am ähnlichsten sind sie noch den zahlreichen polnischen Juden der palästinischen Ghettos. Und wer den Typus der Bethlehemiten schön findet, müsste ebenso den der polnischen Juden loben. Aber mit den polnischen Juden ist das etwas anderes. Die haben ja auch bekanntlich die jüdischen Kolonien in Palästina ins Leben gerufen, über die Soden mit dem berühmten einen Federstrich aburteilt, der seine Berechtigung in seiner geradlinigen Weltanschauung von Adam bis zur preussischen Landeskirche findet. „Auch eine starke zionistische Einwanderung verspricht nach den bisherigen- Erfahrungen mit den jüdischen Siedelungen im Lande kaum einen wesentlichen Beitrag zur Hebung der Kultur. Die christlichen Völker Europas werden es sein,, die diese Kulturaufgabe zu lösen haben." Es ist sicher, dass Soden, als er selbst in Palästina war, keine einzige der zahlreichen jüdischen Kolonien gesehen hat, und dass dies sein apodiktisches Urteil auf den Neid eines seiner Gewährsmänner zurückzuführen ist. Er soll sich aber eines ins Stammbuch schreiben: dass nämlich die deutschen Kolonien, deren Wichtigkeit ich uneingeschränkt anerkenne, nur auf Grund des deutschen Schutzes, d. h. der Kriegsmacht des Deutschen Reiches, und in bedeutendem Masse dank der grossen jüdischen Kolonisation eine Existenzmöglichkeit haben. Den zionistischen Kolonien Palästinas entgegenzutreten, heisst der deutschen Kolonisation, die in ihnen eine wichtige- Stütze hat, den Boden abgraben. Wenn der Autor zum Schluss von der Religion auf das nationale Gebiet übergeht, so ändert das an seiner Stellung insoweit nichts, als dass er dann die alleinige Berechtigung, die er dem Christentum auf der einen Seite zuerkennt, nun dem Deutschtum auf der andern Seite zuweist. Aber auf welche Weise das deutsche Volk das Heilige Land zu neuem Leben erwecken soll, das sagt er nicht. Für diejenigen, die über Palästina etwas erfahren wollen, ist das vorliegende- Büchlein nicht geschrieben worden. Für die aber, die sich erbauea wollen, sind, wir nicht die Instanz, das Buch zu rezensieren. Dr. Heinrich Loewe. VERMISCHTES. Die griechische Korinthenkultur. Der „Economiste d'orient" bringt folgende Schilderung des Entwicklungsganges der griechischen Korintenkultur, die in mancher Beziehung lehrreich ist. Ueber den Umfang der griechischen Korinthenkultur, die seit jeher eine?