Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- Zur Geschäftslage in Palästina [Nachricht]
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 282 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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- IRI
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- Aleppo 1× ep/1047811
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— 282 — Wirtschaftliches aus Palästina. Zur Geschäftslage in Palästina. In englischen Berichten aus Palästina wird festgesellt, dass der Eisenhahn von Jaffa nach Jerusalem, der Erbauung neuer und der Verbesserung der alten Strassen, sowie den Anstrengungen, die für den Bau der Eisenbahn Damaskus-Mekka gemacht wurden, ein beträchtlicher Aufschwung der Geschäfte und eine allgemeine Besserung der Handelsbedingungen in Palästina zu verdanken ist. Wenn es gelänge, drei oder vier Dampfer auf das Tote Meer zu bringen und die Strassen des Jordantales gangbarer zu machen, würden die Kommunikationen mit dem östlichen Palästina erleichtert und vermehrt und Jerusalem könnte ein Mittelpunkt des Warenhandels werden, wie es derzeit bereits Aleppo für das nördliche Syrien ist. Die Steigerung des Handels in Palästina ist eine dauernde; die Einfuhr und Ausfuhr zusammen belief sich im Jahre 1903 auf 763 110 £ gegen 608 740 £ im vorhergegangenen Jahre. Davon kommen 118 945 £ auf die Ausfuhr, der Rest auf die Einfuhr. Im Hafen von Jaffa lagen während des verflossenen Jahres 765 Schiffe mit 589 249 Tonnen, was gegen das Jahr 1902 eine Vermehrung um 113 Schiffe und 74 162 Tonnen bedeutet. Enormen Umfang hat speziell der Handel mit Apfelsinen angenommen, doch ist als das wichtigste landwirtschaftliche Ergebnis die Wiederaufnahme des Baumwollanbaues zu bezeichnen. Baumwollanbau in Palästina. Der „Daily Telegraph" vom 28. Juli 1904 entnimmt dem Jahresbericht des britischen Konsuls von Jerusalem Mr. Dickson, folgende Angaben über die Anbaumöglichkeit von Baumwolle in Palästina. Vor etwa 40 Jahren, sagt Dickson, war ein bedeutender Teil des Landes mit Baumwolle bestellt und die Ernte von 1866 konnte auf etwa 800 Tonnen geschätzt werden. Seit dieser Zeit hat der Baumwollbau in Palästina, man kann wohl sagen, fast gänzlich aufgehört, hauptsächlich infolge des grossen Sinkens der Baumwollpreise nach Beendigung des südamerikanischen Bürgerkrieges. Die geographische Lage Palästinas (30—33 Grad nördl. Breite) fällt mit derjenigen der Baumwollgegend des amerikanischen Kontinents zusammen. Baumwolle könnte hier bis zu einer Höhe von 1000 Fuss über dem Meeresspiegel mit Erfolg angebaut werden. Klima und Boden erscheinen somit für Baumwolle geeignet. Bei Anwendung moderner Geräte und unter Anleitung von erfahrenen Europäern könnte Baumwolle in verschiedenen Teilen des Landes erfolgreich augebaut werden und der Ertrag der Flächeneinheit bedeutend höher werden, als derjenige, der früher erzielt wurde. Was notwendig ist, sind bessere und billigere Transportmittel, Versorgung der Bauern mit geeigneten Geräten und Anleitung in den rationellen Methoden des Anbaues. Kolonisation in Anatolien und im Gebiet der Bagdadbahn. Wir verzeichnen folgende Nachrichten: Die türkische Regierung beabsichtigt, eine Kommission nach dem Gebiet der Bagdadbahn zu schicken, um dort für Ackerbau geeignete Ländereien auszusuchen, die zur Kolonisierung von Muselmännern verwendet werden könnten. Die „Banque Agricole" soll für 5000 türk. Pfund besten Saatweizen angekauft haben, der an die Bauern längs der anatolischen Bahn zur Verteilung gelangen soll. Aus diesen Mitteilungen ist es ersichtlich, dass in den leitenden Sphären der türkischen Regierung gewissermassen ein Anlauf zur Kolonisierung der grossen brachliegenden Gebiete in Kleinasien und Mesopotamien zu konstatieren ist.