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Altneuland · 1904-08-01 · Heft 8 (August 1904) · p. Seite 555

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 8 (August 1904)
Article
Woher stammt das Salz des Toten Meeres? [Nachricht]
Date
1904-08-01
Page
Seite 555 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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— 555 — die ein See erhält, wird stets eine ganz erhebliche Menge von Salzen mitgeführt, die unter normalen Verhältnissen nicht dazu genügen, das Wasser bis zu einer im Geschmack hervortretenden salzigen Beschaffenheit zu bringen. Wenn aber aus einem abflusslos gewordenen See grosse Wassermengen verdunsten, so muss der Salzgehalt dauernd zunehmen, da eben nur reines Wasser verdunstet, während die Salze zurückbleiben. Dieser Vorgang ist, wie gesagt, bei entsprechenden Verhältnissen überall zu beobachten. An sich kann es daher auch nicht wunderbar erscheinen, dass das Tote Meer ein salziger See ist. Dies Wasserbecken nimmt jedoch noch eine besondere Stelle unter den Salzseen der Erde ein, weil der Salzgehalt ein ganz ungewöhnlich hoher ist, obgleich es durch den Jordan und andere Flüsse dauernd gar nicht unbedeutende Mengen von Süsswasser empfangt. Der Palästina- Forscher Acroyd*) hat sich mit dieser Tatsache näher beschäftigt und glaubt danach eine besondere Ursache für den ungeheuer hohen Salzgehalt des Toten Meeres aufsuchen zu müssen. Zunächst bietet sich die Vermutung dar, dass das Salz aus den Gesteinen der Umgebung herrührt, aus den Felsen durch Erosion und Auslaugung herausgezogen und nach dem Toten Meer geschafft worden ist. Diese Erklärung hält Acroyd für ebenso unzureichend, wie die Annahme, dass das Tote Meer ursprünglich einen Arm des Roten Meeres gebildet hat, der durch die Hebung des Gebietes von Palästina in verhältnismässig später Zeit abgeschnürt wurde. Mindestens als mitwirkend betrachtet der Forscher die Möglichkeit, dass grosse Salzmengen durch die Winde vom Mittelländischen Meer nach der Gegend des Toten Meeres getragen, durch die Niederschläge zur Erde gebracht und letzterem zugeführt wurden. Ueber die Ausgrabungen in Saida (das alte Sidon), die im Mai und Juni 1903 vom Ottomanischen Museum mit Unterstützung des Barons von Landau unter Leitung von Th. Macridy Bey bei Saida (Sidon) vorgenommen wurden, berichtet der Assyriologe Hugo Win ekler in der Orientalischen Literafurzeitung: Die eine Stunde nördlich von Saida am Nahr el Auwali (Bostrenus) geleg-ene Stätte war schon von Renan besucht, aber nicht erkannt worden. Ueber dem Flussniveau etwas entfernt vom Ufer erhebt sich ein Mauerwerk von einer vierfachen Blockreihe, das sich an den Bergabhang nach hinten anlehnt. Die mehr als 1 Meter langen und entsprechend breiten und dicken Blöcke haben als Unterbau eines teiTassenförmigen Baues gedient. Hier waren schon früher eine Anzahl Inschriften, wonach Bod-astart, Enkel Eshmunazars, den Tempel des Eshmun-sar-Kodesh gebaut habe, gefunden worden; und zwar waren diese Inschriften in der dritten Reihe der Blöcke, von aussen gezählt, und dann auf derjenigen Seite der Steine angebracht, welche einander zugekehrt waren, so dass sie stets unsichtbar waren. Die inneren Reihen waren also wohl die ursprünglichen, die beiden äusseren später zur Stützung hinzugefügt; doch ist die versteckte Anbringung noch nicht erklärt, ebensowenig wie die Häufigkeit der bis jetzt gefundenen zehn Stück Inschriften. Das Bauwerk muss sich mindestens 20 Meter hoch am Berge erhoben haben, woran sich oben eine Terrasse oder ein Aufbau anschloss. Hier oben fanden sich zahlreiche Bruchstücke von Votivgegenständen, die auf verschiedene Zeiten zu datieren sind: altphönizische Fayencefigürchen, eine ägyptische Inschrift aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.. Teile von Marmorstatuetten aus griechischer Zeit, ein kleiner goldener Aesculapstab. Es ist dies das erste Mal, dass eine phönizische Tempelstätte gefunden und untersucht worden ist. Strabon spricht von einem zwischen Berytus und Sidon liegenden Hain des Aesculap; *) Palestine Exploration Fund, Quarterly Statement, January 1904.

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