Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 8 (August 1904)
- Article
- Die jüdische Kolonisation in Nord-Syrien auf Grundlage der Baumwollkultur im Gebiet der Bagdad-Bahn
- Date
- 1904-08-01
- Page
- Seite 240 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 240 — ist nach eingeholtem Gutachten Sachverständiger schon bei der jetzigen ungünstigen Produktions- und Reinigungsart die Baumwolle zu gröberen Gespinnsten (bis etwa No. 20) und zu Schussgarnen gut geeignet und zeigt besonders auch einen verhältnismässig schönen Bleichausfall, so dass das Garn auch für Farbzwecke als geeignet bezeichnet wird. Neuerdings sind nun auch ägyptische und amerikanische Samen zur Aussaat gelangt, die eine ungleich schönere und geschmeidigere Faser geliefert haben." „Die Art der Bestellung und die Aufbereitung der Baumwolle sind noch vieler Verbesserungen fähig, doch ist es kaum anzunehmen, dass die eingeborene Bevölkerung aus eigener Kraft hier einen Fortschritt wird erzielen können, der die Baumwollproduktion qualitativ und quantitativ fördern würde. Dagegen würde es eine dankenswerte Aufgabe der europäischen Textilindustrie sein, durch Anlage von Versuchspflanzungen vorbildlich zu wirken, geeignetes Saatgut zu beschaffen und die einheimischen Pflanzer durch Rat und Tat zu unterstützen. Die cilicische Ebene ist ein günstig gelegenes Versuchsfeld für die dereinst zu erschliessenden weiten Kulturflächen Ober-Mesopotamiens, sobald diese durch den Bau der Bagdadbahn zugänglich gemacht sein werden". Auf die Anregung von Prof. Fitzner hin ist denn auch eine deutsch-levantinische Baumwollgesellschaft in Bildung begriffen, die neben der Organisation des Einkaufsgeschäftes sich auch die Verbesserung und Erweiterung der Produktion zur Aufgabe gesetzt hat. Ueber die ganz besonders zum Baumwollbau geeignete Schwemmlandfläche der cilicischen Ebene schreibt Fitzner: „Der von den Flüssen aufgebaute rotbraune Schwemmlandboden, der eine Fläche von annähernd 3000 qkm bedeckt, ist von einer ganz wunderbaren Fruchtbarkeit und Ertragsfähigkeit trotz der geringen Pflege, welche die Bauern ihm zuwenden. Die Bestellungen erfolgen in Wechselkultur, wobei "Weizen, Gerste und Hafer im Mai und Juni, Baumwolle und Sesamsaat im Oktober geerntet werden. Die Ergiebigkeit des Bodens wird durch ein mildes, warmes Klima auf das nachdrücklichste unterstützt, denn die cilicische Ebene nimmt im Wetterschutz des hohen Taurus klimatisch eine besonders begünstigte Stellung auf der kleinasiatischen Halbinsel ein." (Schluss folgt.)