Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1904)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 223 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2266000-2266001-2266009-2266630--0484-2266682- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 223 — wicklungsgeschichtlich, zur Darstellung zu bringen und so auch, die notwendigen "Wirkungen der Lage, der Gestalt, des Klimas etc. auf die organische Welt, auf Pflanze, Tier und speziell auch auf den Menschen zu analysieren. Wer sich mit .geographischen Forschungen beschäftigt, weiss, dass der Verfasser einer der allerersten Kenner des Mittelmeergebietes ist und sich besonders auch durch hervorragende Forschung*en in Griechenland und Kleinasien ausgezeichnet hat; er wird sich deshalb gern in dieser allgemeinen Darstellung von einem so kompetenten Verfasser belehren lassen; aber auch Laien in der geographischen Wissenschaft kann dieses Buch zur Belehrung durchaus empfohlen werden, zumal, da auch die Form der Darstellung eine solche ist, dass auch ein Nichtfachmann mit dauerndem Interesse es durchzustudieren vermag. Da die uns speziell interessierenden Küstengebiete des östlichen Mittelmeeres, Syrien und Palästina, durchaus an dem allgemeinen Charakter des Mittelmeergebietes teilnehmen, ja sogar, was die Kulturpflanzen und Kulturmethoden betrifft, einen ganz hervorragenden und unübertroffenen Einfluss auf das gesamte Mittelmeer ausgeübt haben, so gilt das dem Mittelmeergebiet Gemeinsame auch für den östlichen Rand, und da Geschichte und Politik die kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Länder am Mittelmeer in der verschiedensten Weise beeinflusst haben, so ergibt sich auch die Möglichkeit, durch Vergleiche mit anderen Mittelmeerländern die zukünftige Entwicklung Syriens und Palästinas einigermassen vorauszusehen, und das Studium des Buches ist daher speziell auch denjenigen zu empfehlen, welche über die wirtschaftlichen Möglichkeiten des vorderen Orients belehrt werden wollen. Um aus dem reichen Inhalt nur auf einiges uns besonders Interessierendes zu verweisen, sei angeführt, was Verfasser über die Stabilität des Klimas im Mittelmeergebiet sagt; er kommt zu dem Resultat, dass „die heutigen klimatischen Bedingungen schon das Leben der alten Kulturvölker des Mittelmeeres umgaben"; nur für das Grenzgebiet gegen die Wüste zu hält Verf. es nicht für ausgeschlossen, dass tatsächlich eine Verringerung des Regens, ein kleines Vorrücken des Wüstenklimas stattgefunden hat. Die Malaria ist zwar eine Klimakrankheit, aber doch „sehr stark vom Kulturzustand abhängig", „jeder Rückgang in der Kultur, Verfall und Verarmung steigern die Krankheit", während „der neuere Kulturfortschritt überall die Malaria zurückdrängt, ohne sie freilich ganz verwischen zu können". Sehr interessant und von besonderer Wichtigkeit für uns ist speziell der 9. Teil des Buches, der den „Mensch" im Mittelmeergebiet behandelt, und zwar in verschiedenen Kapiteln 1. die Völker, Religionen, Staaten, 2. Soziales, 3. in dem Abschnitt „Zur Wirtschafts- und Siedelungs-Geographie" a) Rohproduktion und ländliche Siedelungen. Industrie; b) Handel und Verkehr. Entsprechend der noch relativ rückständigen geographischen Durchforschung des Ostrandes des Mittelmeeres wird auf Syrien und Palästina in dem Buche vielleicht in geringerem Masse Rücksicht genommen, als es sonst der Fall gewesen sein würde. Wir können aber wohl hoffen und erwarten, dass der Verf., als Sohn eines hervorragenden jüdischen Gelehrten und als Bruder von zwei Männern, die in der neujüdischen Bewegung mit an erster Stelle genannt werden, auch sein Scherflein dazu beitragen ward, indem er seine ausgedehnten Erfahrungen und sein reiches Wissen in bezug auf das Mittelmeergebiet dazu benutzt, auch die geographischen Kenntnisse des jüdischen Stammlandes und der anliegenden Länder zu vertiefen und zu erweitern. Schon führen ihn seine Forschungen in das südliche Randgebirge Kleinasiens, da ist es nur selbstverständlich, dass ihm