Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1904)
- Article
- Die jüdische Kolonisation in Nord-Syrien auf Grundlage der Baumwollkultur im Gebiete der Bagdad-Bahn
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
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— 195 — vorragender wirtschaftlicher Bedeutung wesentlich gefördert werden wird. Die drei Fragen, die wir .einzeln näher besprechen werden, sind: 1. Die Frage der wirtschaftlichen Erstarkung der Türkei; 2. Die Rentabilitätsfrage der Bagdadbahn; . 3. Die Baumwollfrage der westeuropäischen Industriestaaten. Die Frage der wirtschaftlichen Erstarkung der Türkei. Infolge der fortgesetzten Absplitterung beträchtlicher Teile der europäischen Türkei und der zunehmenden Schwierigkeiten, den noch verbleibenden Rest sich zu erhalten, wird die Türkei immer mehr auf ihre asiatischen Besitzungen hingewiesen. Vor allem ist und bleibt Kleinasien das Bollwerk der türkischen Herrschaft, und es ist eine ebenso natürliche wie weise Politik der türkischen Regierung, dass sie die vielen aus den europäischen Gebieten auswandernden Mohammedaner in den weiten, unbebauten Flächen Anatoliens anzusiedeln bestrebt ist; ja zeitweilig bemüht sie sich sogar, durch Agenten die Mohammedaner der unter christliche Herrschaft gekommenen Länder, Rumänien, Bosnien, Serbien, Bulgarien und Kreta, sowie die Tataren der Krim zur Auswanderung zu bewegen. Auf diese Weise hat die Türkei schon Hunderttausende von sog. Muhadschirs, d. h. Flüchtlinge,, von Europa nach Asien hinübergeschafft, und wo man im neutralen Anatolien blühende Dörfer sieht mit vorgeschrittenen Ackerbaumethoden, da kann man sicher sein, dass es sich um Neusiedlungen von Muhadschirs handelt. Es unterliegt keinem Zweifel, dass diese friedliche Rückwanderung der Mohammedaner nach Asien noch weitere Fortschritte machen wird, jedoch hat es andererseits den Anschein, als wenn die Auswanderung aus den unter christliche Herrschaft gekommenen Ländern jetzt weniger stark ist als in früheren Jahren; es liegt dies wohl einerseits daran, dass viele der neuen Ansiedler bei dem Tausch materiell doch nicht ihre Rechnung gefunden haben, und dass der kulturelle Abstand, ganz speziell in bezug auf Rechtspflege, Steuerlast etc., zwischen der Türkei und einem Teil der anderen Länder doch zu gross ist, um durch das ethische Moment des Wohnens unter Glaubensgenossen aufgewogen werden zu können; andererseits mag aber auch der Umstand mitsprechen, dass gerade die unruhigeren und unzufriedeneren Elemente schon ausgewandert sind, und die Zurückgebliebenen sich je länger je mehr