Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Palästina-Weine
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 94 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
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VERMISCHTES. Palästina-Weine. Dem Preisverzeichnis des „Deutschen Kolonialhauses Bruno Antelmänn, Hoflieferant, Berlin" entnehmen wir folgenden Abschnitt über Palästina-Weine. Hierbei sei darauf aufmerksam gemacht, dass in den letzten zwei Jahren es den Deutschen in Palästina gelungen ist, den Absatz ihres Produktes derart zu fördern, dass ihre eigene Produktion zur Deckung der Nachfrage nicht ausreicht und sie neue Weinberge anlegen, so in der neuen Kolonie Wilhelma bei Pethach-Thikwah, so auf dem Besitze Tireh bei Haifa. Da aber die neuen Aulagen erst nach einigen Jahren Ertrag liefern werden, sehen sich die deutschen Kolonisten veranlasst, von den jüdischen Kolonisten Trauben und auch gekelterten Wein zu für die letzteren sehr annehmbaren Preisen zu erstehen. Speziell wurden Weine und Trauben von Rehoboth, Pethach-Thikwah und Rischon-Lezion nach Sarona geliefert, sowie Wein von Chederah nach Haifa verkauft. Wir verweisen noch auf das kaufmännische Geschick, mit dem die Weine, zum Teil also unsere Weine, von der Berliner Firma angepriesen werden, und empfehlen dieses Vorgehen den jüdischen Weinverkaufsgesellschaften zur Nachahmung. Palästina-W eine. Das milde, gleichmässige Klima, der für den Weinbau so günstige Boden Palästinas bringt bekanntlich herrliche Trauben zur Reife, die bei sachgemässer Behandlung einen ausgezeichneten Wein zu liefern imstande sind. Im Altertum trieben die Einwohner des gelobten Landes in ausgedehntem Masse Weinbau, der aber unter der Herrschaft der Araber fast ganz aufhörte. Neuerdings ist er wieder im Aufblühen begriffen. Besonders zeichnen sich die deutschen Kolonien am Karmel, in Jerusalem und Jaffa, sowie die französischen im Libanongebirge (? D. Red.) durch Eufolge auf diesem Gebiete aus. Auch die Israeliten am Hebron beschäftigen sich vielfach mit Weinbau. (!! D. Red.) Vor allen Dingen aber waren es die eingewanderten schwäbischen Bauern, die vor 50 Jahren selber Reben einführten und sie unter Zuhilfenahme jahrelanger Erfahrungen anbauten, kelterten und lagern liessen. Dank der ausdauernden Sorgfalt, die auf die Herstellung der Palästina-Weine verwendet wurde, verbessert sich ihre Güte von Jahr zu Jahr. Brauchen sie doch jetzt einen Vergleich mit den renommiertesten Südweinen nicht zu scheuen. Sie zeichnen sich durch grossen Wohlgeschmack, vollständige Reinheit und Billigkeit aus und stehen hinsichtlich ihrer Eigenheit unübertroffen da. Die von uns eingeführten herben Palästina-Weine entstammen zumeist verpflanzten Bordeaux-Reben. Zwar hat die Uebersiedelung ihren Bordeaux-Charakter nicht völlig vernichtet, wohl aber eine besondere, sehr angenehme Geschmacksveränderung bei diesen Weinen bewirkt. . Die herben weissen Palästina-Weine nähern sich dem Rheinwein, ohne jedoch ihre südliche Eigenart zu verleugnen oder durch starken Alkoholgehalt hervorzustechen, ein Umstand, der sie ganz besonders zu Tischweinen geeignet erscheinen lässt. Dagegen geben die süssen Rot- und Weissweine angenehme (Nach-)Tisch- und Krankenweine ab. Nach dem Urteile von Aerzten eignen sich die Palästina-Weine im allgemeinen hervorragend als Stärkungsmittel für Genesende und Blutarme. Das Deutsche Kolonialhaus, das bestrebt ist, seinen volkswirtschaftlich und national gesinnten Geschäftsfreunden den Bezug dieser Weine zu erleichtern,